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 Liebe Freunde und Besucher, herzlich Willkommen im

Tagebuch einer Japanreise - Teil 2

Auf diesen Seiten möchte ich Euch einen Eindruck von meinem Japanaufenthalt

in Zentsuji vom 10. April 2006 bis 16. März 2007 vermitteln.

 

 

30. April 2006

Karaoke mit den drei Damen vom Grill

Heute war ich das erste Mal in meinem Leben in einer Karaokebar - und in was für einer.

Alles fing damit an, dass die Großmutter (obaasan) mich nachmittags fragte, ob ich gerne singe (bis wir das geklärt hatten, waren mindestens fünf Minuten rum...) Auf meine Bejahung hieß es, ich solle um 19 Uhr mit ihr und ihren Freundinnen in eine Karaokebar gehen. Ich war mir beileibe nicht sicher, ob ich sie richtig verstanden hatte, denn das Ganze kam mir schon recht seltsam vor. Aber ich stand pünktlich um 19 Uhr vor der Haustür und war dementsprechend erleichtert, als obaasan herauskam.

Kurz darauf kam so ein Kleinbus angefahren und als die Damen mich sahen, war das Hallo erst mal groß. Man sollte hinzufügen, dass obaasan höchstens 1,45 m groß ist und wenn sie direkt neben mir steht.... Jedenfalls bin ich mit den dreien zur Karaokebar aufgebrochen. Die Verständigung war holprig, aber mit Hängen und Würgen und viel Gelächter auf beiden Seiten ging's. Nur als die Strassen immer enger, die Strassenlaternen immer weniger und die Qualität der Strassen immer schlechter wurden, war ich mir dann doch nicht mehr so ganz sicher, wo das alles hinführen würde.

Die Bar war ein großer Raum mit einer Bühne, mehreren Bildschirmen, auf denen die Texte zu lesen waren und einige Sofas für die nichtsingenden Gäste. Herr Koyama, der Besitzer der Bar war der Ansicht, mein Gesicht entspräche dem eines Engländers - ich habe es akzeptiert...

Und dann ging die Katastrophe los - die Damen legten mir ein Buch auf den Schoß, das in etwa den Umfang des gesamten Telefonverzeichnisses von Tokyo hat, mit der Bemerkung, ich solle mir ein Lied aussuchen, das ich singen möchte. Ich meine, ich trällere gerne mal ein Liedchen, für mich alleine, aber in einer Bar, mit "meinen" drei Damen sowie weiteren vier Frauen zwischen 50 und 70 - da blieb nur noch rein ins Wasser und schwimmen lernen. Die anwesenden Frauen haben meine Interpretationen von "99 Luftballons" und "Morning has broken" dann aber doch sehr wohlwollend aufgenommen.

Kurios war auch, die anwesenden Damen zu beobachten. Kaum saß man am Tisch, wurden der Bleistift und ein kleines, z.T. schon sehr zerfleddertes Büchlein gezückt, in dem jeweils eine Reihe von Liedern mit den dazugehörenden Nummern standen. Mir scheint, die machen das alle öfter und sind schon richtige Profis. Ich saß dagegen mit meinem Wälzer da und wusste nicht, was tun. Glücklicherweise waren die "99 Luftballons" gleich auf der ersten Seite.  Und dann stehste auf der Bühne, den ersten Einsatz gleich mal verpasst und darfst die Zuhörerschar beglücken - ich kann Euch sagen, das war mehr als skurril.

Die Damen hatten offensichtlich alle ein Faible für japanischen Schlager. Für mich klangen die alle sehr ähnlich, aber es wurde kräftig mitgesungen. Und ich dazwischen, der ich viele Lieder zwar kenne, aber selten den Text und die Melodie singen könnte. Außerdem würde ich mich doch eher der rockigen Musikfraktion zuordnen, aber AC/DC, QUEEN, Led Zeppelin & Co. wollte ich den Damen doch nicht zumuten. Also hieß es die ruhigen Sachen raussuchen.

Letztlich habe ich mich, so denke ich zumindest, mit meinen zwei Liedern ganz gut geschlagen. Der Star des Abends war ich eh, egal was ich gemacht habe. Und immer wieder haben sie sich unterhalten, auf mich gezeigt und sind in schallendes Gelächter ausgebrochen - weiß der Geier, warum.

Nach gut anderthalb Stunden haben wir die Bar wieder verlassen. Wir saßen schon im Auto, als Herr Koyama zum Auto kam und mir völlig überraschend eine Tüte in die Hand drückte - "für Markus" - darin waren zwei tiefgekühlte Pizzas enthalten. Der gute Mann hätte mir kein größeres Geschenk machen können, denn erstens mag ich Pizza sehr, zweitens ist das mal was anderes, als immer nur selber kochen und drittens muss ich mich eh selbst versorgen. Da kommt ein solches Geschenk sehr gut an. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich die Pizzen ohne Backofen warm bekomme....

Eine der Damen schenkte mir auch noch eine kleine Schachtel Süßigkeiten, die ich gerade zur Hälfte gegessen habe und das nächste Mal Karaoke ist schon abgemacht. Darauf bereit ich mich aber vor - ich habe nämlich auch ein kleines Büchlein, in dem jetzt in paar Songtitel drinstehen......

 

Verkehr Teil II

Gestern hatte ich meinen freien Tag und habe den zusammen mit Stefan, meinem Praktikantenkollegen, verbracht. Wir sind mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren und hatten einen gemütlichen Tag. Alles in allem würde ich sagen, sind wir über den Tag verteilt etwa 15 km geradelt. Als ich dies heute meinen Kollegen erzählte, war das Erstaunen und Kopfschütteln groß, denn wer fährt schon solche weiten Strecken mit dem Rad. Man konnte direkt beobachten, dass dies unter der Kategorie "die spinnen, die Deutschen" abgelegt wurde.

1. Mai 2006

Hitze, Schlangen, Kyudo und 'ne Pizza

Heute war ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde. Erstens hatten wir heute +30 °C - im Mai und im Schatten!!!!!! Auch jetzt, um halb zehn abends ist es immer noch sehr warm und man schwitzt in einem fort. Wenn das der japanische Frühling ist, wie wird dann erst der Sommer?????

Dann gehe ich heute Abend die Treppe von meiner Wohnung runter und wundere mich, was da für ein Schlauch im Boden verschwindet. Das war nun aber kein Schlauch, sondern eine Schlange (jap: hebi). Den Kopf  habe ich leider nicht mehr gesehen, aber die Schlange war mindestens 50 cm lang. Allein der Teil, den ich noch gesehen habe, war ca. 35-40 cm. Ich wollte es nicht glauben, denn das Vieh war mitten auf dem Hofgelände und weit und breit gibt es kein Grün und kein Wasser. Als ich sie dann noch am Schwanzende berührte, hat sie sich ganz schnell verzogen. Sie war also echt.

Anschließend hüpfte ich auf mein Radl und wollte dem Hinweis des Bekannten aus Kassel folgen, wonach es im shungoku-jinja Kyudo geben soll. Ich da rein mit dem Rad und stehe auch schon fast vor der Zielscheibe. Davor 8 junge Leute um die zwanzig, die mehr oder wenig fleißig am trainieren waren. Man kann sich meine Freude vorstellen, als ich die Jungs und Mädels sehen durfte. Ich habe mich dazugesetzt und erst alles ein wenig beobachtet. Aber schon nach kurzer Zeit war ich in ein Gespräch verwickelt und Fragen über Fragen wurden gegenseitig gestellt. Spannenderweise hat sich ein Teil der Anwesenden als Hekischüler rausgestellt, denen der Name Genshiro Inagaki sehr wohl geläufig war. Als sich dann noch rausstellte, dass Montags, Mittwochs und Freitags von 17.30 bis 19 Uhr Training ist und ich jederzeit mittrainieren darf, war der Abend gerettet. Es muss nur noch die Frage nach dem Bogen und den Pfeilen geklärt werden. Zudem gaben mir die Jungs noch eine Adresse von einem Dojo in Marugame-shi (ca. 15 km weg) in dem auch häufiger Ausländer trainieren. Das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen. Das Training fand heute abend in einer sehr lockeren Atmosphäre statt. Aber da ausgerechnet diese Woche Golden Week  (viele Feiertage in einer Woche, in der viele Japaner frei haben) ist, findet eigentlich kein Training statt und ich bin gespannt, wie das dann nächsten Montag wird.

Direkt neben dem Trainingsplatz befindet sich ein Dojo, in dem gerade Iaido trainiert wurde (ein Nichtasiate bekam Einzelunterricht durch seinen Lehrer. Das sah für mich durchaus nach Fortgeschrittenentraining aus.). Als ich mir das so von außen durch das Fenster angeschaut habe, kam schon die Lust auf, auch diese Kunst einmal zu versuchen. Mal nachfragen, wann die trainieren.....

Der krönende Abschluss des Abends war dann eine der Pizzen von Koyama-sensei. Ich kann Euch gar nicht ausreichend beschreiben, wie gut die geschmeckt hat. Kein Reis, keine Stäbchen, kein rohes Gemüse, sondern einfach nur eine Pizza. Boah eh...... und ich habe noch eine in der Kühltruhe.......

4. Mai 2006

Wo bin ich denn hier gelandet...

Die Frage habe ich mir heute ernsthaft gestellt. 30 °C im Mai - ok. Viel Arbeit an kleinen Maschinen und auf dem Boden - auch ok. Fremde Menschen, fremde Sprache, fremde Schrift - kann ich mit leben. Aber dass ich hier in einem Mafialoch gelandet bin, hat mich dann doch leicht schockiert.

Zentsuji scheint eine Hochburg der Yakuza zu sein, was angeblich mit dem hier stationierten Militär zusammenhängt. Jedenfalls sollte man östlich des Flusses genau wissen, was man tut und was nicht. Westlich (da wohne ich, aber der Fluss ist keine 100 m weg) ist es noch einigermaßen sicher. Man sollte sich auch gut überlegen, mit wem man einen Verkehrsunfall verursacht. Sollte der Gegenüber ein Kennzeichen mit den Ziffern 893 haben, nimmt man am besten alle Schuld auf sich und fährt lächelnd von dannen. Diese Zahlen (ya=8, ku=9, sa=3) sind angeblich in gewissen Kreisen sehr beliebt. Allerdings habe ich trotz eifrigem Umherschauen noch kein solches Kennzeichen gefunden. Jetzt frage ich mich nur noch, warum Militär und Mafia gemeinsam auftreten....

 

Mit diesen Informationen im Hinterkopf überlege ich es mir noch einmal, ob ich wirklich einen dieser jugendlichen, obercoolen Rotzlöffel vom Moped schieße. Die Typen machen nämlich mit ihren Maschinen solch einen Krach, am liebsten morgens zwischen halb sechs und sechs, dass kein normaler Mensch mehr schlafen oder sich unterhalten kann. Und tagsüber fahren sie ziellos durch die Gegend, immer schön langsam und kräftig am Gashahn drehend, dass einem schier die Galle überkocht. Aber vielleicht sollte man die doch besser leben lassen (s.o.)

5. Mai 2006

Mal was dazu...

..was wir den ganzen Tag hier tun. Wir sind ein Reis- und Gemüsebetrieb und derzeit steht vor allem Ernte und Verkaufsvorbereitungen des Gemüses im Vordergrund. Geerntet werden vor allem Lauch oder Frühlingszwiebeln und Blattsalate. Sobald die Felder abgeerntet sind, werden sie komplett abgeräumt, was relativ viel Zeit in Anspruch nimmt.  Die erste Ernte ist demnach vorüber, es folgt die Aussaat oder Pflanzung der Zweitkultur. Die Erstkultur ist in Folientunneln groß geworden. Diese werden nicht mehr benötigt und daher abgebaut (könnt ihr Euch vorstellen, wie viele Haken man ziehen muss, bis ein einziger Tunnel abgebaut ist??? Und davon gibt es zig - mein armer Rücken).

Des weiteren waren wir die letzten Tage zusätzlich mit der Vorbereitung der Reispflanzung beschäftigt. D.h., die Felder werden abgeräumt, dann werden die Dämme gefräst und schließlich eingeebnet. Darauf schmeißt den Dünger sackweise per Hand und anschließend wird das Feld ca. 5-7 cm hoch geflutet. Dahinein wird maschinell der Reis gepflanzt. Der ist derweil im Gewächshaus auf ca. 10 cm Höhe in (wie heißen denn die Dinger eigentlich) "Pflanzschalen" herangewachsen.

 

Das Wetter hat sich wieder etwas beruhigt. Wir haben hier so um die 22-25 °C, die Sonne knallt den ganzen Tag vom Himmel und man muss aufpassen, dass man sich keinen Sonnenbrand holt. Es läuft eigentlich keiner im T-Shirt rum. Alle langärmlig und in langen Hosen.

 

Gestern abend um 23.30 uhr wurde im Fernsehen der Bericht über unseren Betrieb ausgestrahlt und man soll es kaum glauben, ich bin im japanischen Fernsehen  zu sehen, in Großaufnahme und mind. 5 sec lang :-))) Aber es ging natürlich in erster Linie um die Landwirtschaft und mein Vorarbeiter, Ushimaru-san, wurde kräftig interviewt. Ich habe den ganzen Beitrag mit meiner Digitalkamera aufgezeichnet. Leider ist die Qualität schlecht, aber eine Erinnerung allemal.

 

Übrigens habe ich jetzt mal ein paar Bilder hinzugefügt. Wer gucken will...

6. Mai 2006

Ein erinnerungswürdiger Tag

Diesen Samstag sollte ich in Erinnerung behalten. Es fing schon mal alles damit an, dass ich ausschlafen durfte, weil heute mein freier Tag ist. Ich wollte nach Marugame, ca. 5 km von hier fahren und mir tabi kaufen. Das sind diese Mischung aus Socke und Schuh mit dem abgetrennten großen Zeh. Den ganzen Tag bei brennender Sonne in Gummistiefeln rumlaufen ist nix fürs Mikroklima um den Fuß rum. Die Erklärung von einem meiner chinesischen Kollegen im Kopf bin ich also mit dem Radl los und natürlich habe ich für die angekündigten 20 min ca. eine dreiviertel Stunde gebraucht und bin garantiert nicht da raus gekommen, wo ich eigentlich wollte. Aber was soll's, dafür habe ich mir das Schloss von Marugame angeschaut. Der Ausblick von dort oben macht einem deutlich, wo ich derzeit lebe. Eine große weite Ebene, ab und zu von einem Hügel unterbrochen, die komplett besiedelt ist. Vom Schloss hat man das Gefühl, man befindet sich in einer riesigen Stadt mit lauter zweigeschossigen Häusern und ab und zu liegen landwirtschaftliche Flächen zwischen den Häusern. Der Übergang zwischen den einzelnen Dörfern und Städten ist fließend.

Unterhalb des Schlosses konnte man Handwerker beim Herstellen von Fächern beobachten. Mein Freund hat mir erklärt, dass Marugame angeblich für die Herstellung von Fächern berühmt.

Ich stehe da also in dem Raum, gucke den Leuten, die leicht erhöht auf dem Boden sitzen, auf die Finger und denke mir nichts dabei, als ein wohlbekannter Satz an mein Ohr dringt "oki hito desu, nee (ein großer Mensch, nicht wahr?) Ich drehe mich grinsend zum Sprecher, einem der Handwerker um die 70 Jahre, um und ehe ich mich versehe, sitze ich ihm zu Füßen und versuche mich an einem eigenen Fächer. Der eine konnte den anderen nicht verstehen, seine Kollegen stellten sich grinsend um uns rum und redeten auf mich ein. Ich hab mich dümmlich grinsend in alle Richtungen verneigt und nur auf mein schlechtes Japanisch verwiesen... Trotzdem wurde aus der vermeintlich eher mäßig interessanten Arbeit eines Fächermachers plötzlich ein hochinteressante und sehr aufwändige Arbeit. Wenn man das mal selber machen darf.. Mein "Meister" hat sich sehr viel Mühe mit mir gegeben und immer wieder meine Geschicklichkeit gelobt (die Japaner sind einfach ein freundliches Volk), wobei er dann doch das meiste gemacht. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass es ihm Spaß gemacht hat, mir seine Arbeit zu zeigen und das Grundgerüst des Fächers durfte ich sogar behalten. Der ziert jetzt mein Zimmer.

 

Jetzt sollten tabi gekauft werden. Eine ziellose Fahrt durch die Stadt führt irgendwann auch zum Ziel und so stand ich plötzlich vor einem Geschäft mit Arbeitskleidung. Die tabi hatte ich auch schnell gefunden, das Problem ist, wie  kann es anders sein, die Größe der Füße. Nach japanischem Maß sind mein Füße zwischen 28 und 29 cm lang und das sind Riesentreter in diesem Land. Im normalen Regal gab's gar keine 28er tabi, die hat er dann irgendwo hinter dem Tresen hervorgeholt. Noch ein paar passende Socken und ein leichtes Arbeitshemd für die heißen Tage und wieder war man ne Menge Geld los. Den Verkäufer habe ich noch nach dem Weg gefragt und weiter ging's zum Marugame Budokan.

Dieser Tag sollte aber noch lange nicht zu Ende sein. In Marugame wollte ich mich zudem noch nach dem Marugame Budokan umsehen, der Trainingsmöglichkeit für nahezu sämtliche traditionelle japanischen Sportarten, darunter Kyudo. Die Verständigung mit dem Pförtner hat nach einiger Zeit klar gemacht, dass der sensei erst in einer Stunde anwesend sein wird. Die Zwischenzeit habe ich mit Mittagessen (doppelte Portion Udon, weil ich den Verkäufer und er mich nicht verstanden hat) und nach der Mittagspause wieder rein ins Budokan.

Der Pförtner, mittlerweile ein Kollege, der ein wenig Englisch sprechen konnte, brachte mich dann schnurstracks ins Dojo und ich bat nur, ob ich wenig zusehen durfte.

Denkste und Pustekuchen. Die ersten zehn Minuten habe ich den 2 anwesenden Kyudoka zugesehen, dann kam Morisaki-sensei, ein ca. 70 jähriger Mann, rüber zu mir, fragte nach, wie lange ich schon Kyudo machen würde und ob ich Prüfung machen wolle (zur Prüfung habe ich mich nicht direkt geäußert).

Jetzt hing ich am Haken und Loskommen war ausgeschlossen. Eigentlich konnte ich mich mit ihm kaum verständigen, weil er sehr schnell und kurz redet und wenn überhaupt, dann nur das nötigste. Und dafür, dass ich wirklich nur zusehen wollte, stand ich keine 20 min. nach Betreten des Dojo an der shai (Abschusslinie), Bogen und Pfeil in der Hand und nun zeig was Du kannst....Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Auf der einen Seite wirklich erfreut und glücklich, ein schönes, kleines Dojo gefunden zu haben, andererseits, war ich total aufgeregt und stand unter Hochspannung. Morisaki-sensei guckte genau zu, was der Lange kann und was nicht. Er hat eine Art zu lehren an sich, die sicherlich so manchen deutschen Schüler Ausreiß nehmen lassen würde. Wenige Worte, schroff und direkt. Wenn Du was falsch machst, merkste das recht schnell... Er hat mich dann gleich eingenordet, wie er bestimmte Dinge sehen will und wie nicht ("no!!not!!") Alle Kyudoka können mir wahrscheinlich nachfühlen, wie es sich anfühlt, wenn man eh total verunsichert ist und dann noch einer einen mit einer Stimme korrigiert, die jedes Herz stehen lässt und zu spontanen Schweißausbrüchen führt.

Meine Größe hat hier natürlich auch wieder zu Probleme geführt. Morisaki-sensei hat sich sehr bemüht, Pfeile zu finden, die lang genug sind. Die Frage nach dem Bogen war schnell geklärt. Ein 14 kg nami-Bogen (länger gab's nicht) und nun los.

Doch wie es der glückliche Zufall will, kam ein weiterer Kyudoka, ein ebenfalls ca. 70-jähriger Mann, ins Dojo, der sehr gut Englisch spricht und übersetzte dann so einige Fragen des sensei an mich. Endlich konnten wir klären, wer ich bin, wo ich herkomme, was ich mache, warum ich Kyudo machen will, ob ich jetzt auch regelmäßig kommen wolle und ganz besonders vermittelte Jun-san, dass es Morisaki-sensei sehr leid tue, dass er mir keinen passenden Bogen und passende Pfeile anbieten könne und ob das für mich okay sei. Als ich das gehört habe, hatte ich das Gefühl, ich bin im falschen Film. Da komme ich einfach reingeschneit, bringe den ganzen Laden durcheinander, kann die Sprache nicht, habe keine eigene Ausrüstung und bin eigentlich viel zu groß für dieses Land und er entschuldigt sich, dass er nicht das passende für mich hat -------- das ist auch Japan. Wobei ich des öfteren an Bill Murray in "Lost in Translation" denken musste - der sensei hat keine drei Worte am Stück gesagt, aber mein Dolmetscher war zwei Minuten mit der Übersetzung beschäftigt. Man sieht, Kommunikation erfolgt nicht nur mit Worten. Und ich dazwischen.....

Jun-san zeigte mir dann gleich mal die japanische Ausgabe Herrigels "Zen in der Kunst des Bogenschiessens", stellt mich allen Anwesenden vor und half mir in vielerlei Hinsicht ("Morisaki-sensei ist sehr streng und nutzt ungern viele Worte. Alte Budoschule eben").

Eigentlich fühlte ich mich ständig in einer Prüfungssituation. Weil mein Bogen keine Sehne hatte, durfte ich gleich mal eine neue anfertigen und dann kam es so weit, dass ich alleine vor den mittlerweile sechs anwesenden Kyudoka schießen sollte. Morisaki-sensei meinte dann nur noch, ich solle das nobai länger halten (Hallo Horst, Alfred und Hans-Günter, kommt Euch das irgendwie bekannt vor? ;-) ) und weg war er mitsamt meinem Dolmetscher. Naja, ich hab halt dann noch zwei Pfeile geschossen und mich verabschiedet.

Dafür, dass ich eigentlich nur schauen wollte, darf und muss ich regelmäßig dort auftauchen und üben. Ich freue mich darauf, weil ich das Gefühl habe, dass ich sehr viel lernen kann, sowohl was Kyudo angeht, aber auch von den Menschen an sich. Sie scheinen mir alle wirklich nett und aufgeschlossen zu sein und mit Jun-san als Dolmetscher sehe ich wenig Probleme. Aber neben der Freude, üben zu dürfen, ist es auch einfach die Verpflichtung, möglichst jeden Samstag dort zu sein. Und Samstag ist der einzige freie Tag in der Woche.....

Jetzt bin ich aber immer noch auf das Training in Zentsuji gespannt. Dafür muss ich nur zehn Minuten mit dem Rad fahren und ich werde versuchen, dort einmal die Woche zu trainieren.

9. Mai 2006

Wie man eine ganze Strasse beschäftigt

Das kommt davon, wenn man von jemandem einen Tipp bekommt und den in die Tat umsetzten will – ich hatte von dem Kasseler Freund eines Freundes eine Menge Tipps bekommen, was ich wo wie machen kann. Darunter war der Hinweis auf ein gute Kneipe, in der man ein gepflegtes Bier nach der Arbeit trinken kann.

Er hatte mir gesagt, wo die Kneipe ungefähr sein soll. Ich bin also in die Gegend losgeradelt und habe den erstbesten Mann gefragt. Der wusste nicht weiter (aber hatte meine Frage immerhin verstanden!!) und fragte in der Nachbarschaft. Die drei Damen wussten auch nicht weiter und fragten weiter in der Nachbarschaft rum. Die nächsten drei Männer wussten ebenfalls nicht, wo die Kneipe sein soll. Mittlerweile waren sieben Leute mit der Frage beschäftigt, wo die Kneipe sein könnte. Ein Blick ins Telefonbuch führte schließlich zu dem Ergebnis, dass es diese Kneipe tatsächlich gibt. Aber wo sie sein sollte, war immer noch nicht klar. Letztendlich rief eine der Damen an und fragte nach dem Weg. Und weil mittlerweile offensichtlich war, dass mein Japanisch für eine Wegbeschreibung nicht ausreichen würde, sprang sie auf ihr Fahrrad und brachte mich bis vor die Tür! Japanische Gastfreundlichkeit und eine Selbstverständlichkeit!! Das Bier und der Salat (inkl. der zwei Cocktailtomaten!) hat dann auch hervorragend gemundet.

 

Wettertechnisch stellt sich mir hier immer öfter die Frage, wie heiß ein Sommer werden kann. Wir haben seit Tagen immer so um die 25 °C und die Sonne brennt vom Himmel, dass es keine Freude ist, auf dem Acker zu stehen und Salat zu ernten. Morgens um halb zehn ist man im wahrsten Sinne des Wortes nass geschwitzt und da hat der Arbeitstag erst seit eineinhalb Stunden begonnen. Ohne langärmlige Kleidung, einer Mütze und viel Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von 50! Brennt’s einem die Haut von Knochen. Die Sonne ist hier wesentlich aggressiver als in Deutschland. Trotz der sehr heißen Witterung hat kaum einer der Angestellten mal ein T-Shirt an.

Der Sommer hier soll Temperaturen bis 40 °C bringen. Das kann lustig werden. Wo ich doch ein Freund der kühleren Gegenden bin.... Die Arbeitszeiten im Sommer werden aber wegen der Hitze etwas verschoben. Es wird von 6 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr gearbeitet. Sommer bedeutet voraussichtlich Juni bis September.

 

So langsam setzt sich für mich auch der Anfang eines Puzzles zusammen. Mein Chef hat mir heute morgen einen kurzen Einblick in seine Arbeit gegeben („I’m very busy“). In der ganzen Präfektur Kagawa (Kagawa-ken) sind rund 125 chinesische Landarbeiter beschäftigt. Und das sind nur die chinesischen Arbeiter. Hinzu kommen Menschen aus weiteren südostasiatischen Ländern. So viele Menschen bedeuten „many problems“, die ihn wohl ausreichend beschäftigen.

Des weiteren ist er, zwar nicht alleine, aber doch an vorderster Stelle, gerade mit der Auswahl neuer Landarbeiter aus Laos und Kambodscha beschäftigt, die ab August bzw. September in Kagawa-ken arbeiten sollen. Einige von ihnen werden auch auf seinem eigenen Betrieb arbeiten.

Für diese Aufgabe ist er, soweit ich das beurteilen kann, oft in Kagawa-ken, aber auch den dementsprechenden Ländern unterwegs.

Zusätzlich zu diesen Aktivitäten bestehen Überlegungen, in Indonesien eine rund 250 ha große Farm aufzubauen. Er hat da wohl schon einen Landstrich im Auge, in dem solch ein Projekt möglich wäre. Eines der vielen Probleme ist halt nur, dass auf dem Land noch überall Dschungel steht....Die Gegend liegt nahezu auf dem Äquator und ab einer Höhe ab 1.500 m über NN scheint eine Gemüsefarm dort interessant zu sein. Wie konkret die Pläne dazu sind, kann ich allerdings nicht sagen.

Bei der hiesigen Struktur der Flächen, der Entfernungen vom Betriebsgelände und den sicherlich vergleichsweise hohen Lohnkosten kann ich den Sinn solcher Überlegungen nachvollziehen.

 

 

Passend zum Thema:

Ausländer in Japan

Der Ausländeranteil in Japan ist sehr gering. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe mal eine Zahl von rund 1,5 % der Bevölkerung gelesen. Der allergrößte Teil kommt aus Asien (China und Korea). Nichtasiatische Ausländer sind überwiegend Amerikaner, was davon kommt, dass immer noch sehr viele amerikanische Soldaten in Japan stationiert sind. Deshalb wird man als großer, weißer Ausländer eigentlich immer gefragt, ob man Amerikaner sei.

Die japanische Ausländerpolitik ist m.E. sehr rigide. Wer kein Tourist ist, kein Geld hat und auch keinen Grund hat, sich in Japan aufzuhalten, darf sehr gerne gehen. Besonders asiatische Ausländer haben es sehr schwer, in Japan eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Dies hängt damit zusammen, dass es angeblich sehr viele illegale Einwanderer aus asiatischen Ländern geben soll, die versuchen, sich irgendwie in Japan über Wasser zu halten und überwiegend „niedere“ Arbeiten verrichten.

Wie schwer es solche Leute haben können, habe ich an den Trainees gesehen, die mit uns zeitgleich angefangen haben und die wir in Tokyo kennen gelernt haben. Mit uns haben rund 60 Leute aus Indonesien, Malaysia, Thailand und den Philippinen angefangen. Sie alle werden für ein Jahr auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Japan arbeiten. Bereits in Tokyo machte uns einer der Leute vom JAEC darauf aufmerksam, dass wir Europäer einen anderen Status als diese Leute haben. Wir hatten nahezu alle Freiheiten, zu gehen und zu kommen, wie wir wollten. Diesen Leuten war es ausdrücklich verboten, das Gelände und auch ihren Gastbetrieb!! zu verlassen. Einmal kamen wir von einem Ausflug nach Tokyo zurück. In dem Moment wollten rund 10 dieser Trainees das Gelände verlassen. Unsere Begleitung vom JAEC hat sie prompt wieder zurückgeschickt. Wir kamen uns schon ein wenig komisch vor.

Diese strenge Behandlung liegt daran, dass es schon häufiger vorgekommen ist, dass Gastarbeiter nach Ablauf ihrer Aufenthaltsgenehmigung abgehauen sind und sich jetzt illegal im Land aufhalten. Dies ist der japanischen Regierung ein gewaltiger Dorn im Auge und daher vergibt sie ungern Visa an Südostasiaten.

Ähnliches hat mir auch Herr Kondo erzählt. Vor einigen Jahren waren indonesische Gastarbeiter in Kagawa-ken. Eine ganze Reihe von denen ist abgehauen und es gab massive Probleme und ab sofort keine weiteren Visa mehr für Leute aus Indonesien.

Bedenkt man, wie viel Geld solche Menschen in ihrem Heimatland verdienen und wie viel sie hier in Japan verdienen können, kann man dieses Verhalten durchaus nachvollziehen.

 

Die chinesischen Gastarbeiter auf „meinem“ Betrieb sind z. T. seit drei Jahren hier im Land, die beiden Thailänderinnen seit zwei Jahren. Sie haben sich den Verhältnissen hier m.E. gut angepasst. Sie sind sehr fleißig und arbeiten jeden Tag von morgens 8 Uhr bis abends zwischen halb zehn und halb elf. Werktags wie Sonntags. Ich bin mir mittlerweile fast sicher, dass sie außer der Gegend um Zentsuji bislang nicht viel gesehen haben. Allerdings steht bei ihnen, im Gegensatz zu mir, das Geldverdienen an allererster Stelle. Dementsprechend verhalten sie sich auch.

13. Mai 2006

Welcomeparty

Die Präfektur Kagawa ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, uns offiziell zu begrüßen. Dazu wurde in Takamatsu, der „Hauptstadt“, eine Party organisiert, an der neben einigen Offiziellen der Präfektur, einem Vertreter des LionsClub (hatte der einen Zug am Hals....) und uns mit unseren jeweiligen Chefs auch ehemalige Trainees da waren, die z. T. vor über dreißig Jahren, meistens in den USA, waren. Dementsprechend konnten viele von denen relativ gut Englisch und je größer die Anzahl der leeren Bierflaschen wurde, desto leichter fiel das Sprechen. Alles in allem waren so um die 20 Leute anwesend. Spannend wurde es, als die Vorstellungsrunde begann und wir dann an der Reihe waren. Da steht man also in einem Raum, der vielleicht 6 x 4 m groß ist, 20 Leute sitzen vor einem auf dem Boden und starren einen an, die Tische enden unter Kniehöhe und man darf sich auf Japanisch vorstellen. Da können drei Sätze ganz schön lang werden.

Danach gab es lecker Essen. Ich würde mal sagen, es war so eine Art Eintopf – ein großer Topf auf offener Flamme, in dem allerhand verschiedene Dinge, wie Tofu, Garnelen, Gemüse, Pilze und Fleisch drin ist. Das holt man sich Stück für Stück raus und isst es. Daneben stand ein Teller, voll mit weiteren leckeren Dingen, darunter so kleinen, Oktopussen, komplett mit Kopf und allen Armen. Nach der zweiten Flasche Bier habe ich mich dann doch mal an einen ran getraut und sie sehen schlimmer aus, als sie schmecken. Mein Kollege hatte wohl zu wenig Bier intus – er hat sich geweigert. 

In Japan ist es üblich, dass man sich nicht selber einschenkt, sondern dass der/die Gegenüber das für einen tut. Das heißt, neben der Konzentration auf die Unterhaltung und das Essen, sollte man auch immer einen Blick auf das Glas der anderen haben. Es gilt als sehr unhöflich, wenn ein Glas für längere Zeit leer steht. So kommt es denn, dass man eigentlich immer ein volles Glas vor sich stehen hat und ganz schnell ganz viel trinken kann....

Neben uns beiden waren glücklicherweise weitere junge Leute da, mit denen wir uns trefflich unterhalten konnten. Eine war eine junge Dame, die erst kürzlich von ihrem Jahr aus der Schweiz zurückgekommen ist. Sie war auf einem Obstbetrieb ca. 20 km vom Bodensee entfernt. So kam es dann auch, dass sie besser Schwäbisch als Hochdeutsch verstand und ich mich mit ihr fast nur noch auf Schwäbisch unterhalten habe. Die Unterhaltung mit den Tischnachbarn war somit ein wildes Gemisch aus Englisch, Deutsch, Japanisch und Schwäbisch (ist halt doch ne Weltsprache, auch wenn einige das nicht glauben wollen!!)

 

Am Tag der Welcomeparty hat mir mein Chef zwei weitere Dinge gezeigt. Einmal eine Erdbeerfarm eines trainees von ihm und einmal „the big money“.

Die Erdbeerfarm war sehr interessant. Die Frau des Chefs kann gut Englisch und hat mir den Betrieb gezeigt, während ihr Mann und mein Chef sich besprochen haben. 3,5 ha unter Glas sind unglaublich viele Erdbeeren und die verschiedenen Sorten haben auch unterschiedlich geschmeckt. Ich wollte diese Arbeit nicht machen, denn so wie mir es scheint, gibt es neben der täglichen Ernte nur zwei wichtige Aufgaben – überzählige Blüten ausbrechen und alte Blätter und Triebe ausbrechen. Und das den ganzen Tag. Die Pflanzen sind zwar immerhin auf Bauchhöhe aufgestellt und man kann im Stehen arbeiten, aber auf Dauer wäre mir das zu langweilig. Dann lieber im Regen Kohl und Salat ernten, Gewächshäuser abbauen und Spinat ernten, auch wenn das meistens alles auf dem Boden passiert.

Die junge Frau kommt ursprünglich aus der Nähe von Tokyo und sie kennt die Eltern meines Chefs. Zu meiner sehr großen Erleichterung hat sie mir gestanden, dass sie diese beiden häufig auch nicht verstehen kann, weil die so starken Dialekt und sehr schnell sprechen. Das hat mich sehr beruhigt, denn wenn ojiisan losquasselt, versteh ich nur noch Bahnhof.

"The Big Money" ist sehr beeindruckend. Vor ca. 400 Jahren haben Einheimische zu Ehren des Besuches ihres Herrschers eine damals gültige Münze aus Sand hergestellt. Die hat geschätzte 35 m Durchmesser und ist von einem Aussichtspunkt hervorragend zu bestaunen. Sie wird ein- oder zweimal im Jahr restauriert. Leider war das Wetter ziemlich mies und der Blick über Münze, Sand und Meer nach Honshu kaum möglich. Aber es soll an dieser Stelle sehr romantische Sonnenuntergänge geben.....

 

 

Ein Freund, ein guter Freund...

ist was wert. Mit meinem Kollegen Stefan verstehe ich mich einfach gut. Er war gerade eben noch hier und wir haben einfach die gemeinsame Zeit mit Baumkuchen und Bilder gucken genossen. Im Gegensatz zu mir lebt er völlig in seine Gastfamilie integriert und muss sich dementsprechend an deren Gesetze halten, die da so herrschen. Unter anderem hat er zu sagen, wann er wohin geht und wann er wieder zurück kommt. Und diese Zeiten sollte er tunlichst einhalten, sofern er keine Probleme bekommen will. Dies ist zum einen so Sitte in japanischen Familien, zum anderen sind unsere Gasteltern für uns verantwortlich und sollte uns irgendwas passieren, würde das direkt auf sie zurückfallen, auch wenn sie in keinster Weise eine Schuld tragen. Das will keiner und darum halt diese Regeln.

Ich kann dagegen kommen und gehen, wie ich will. Da hat der lockere Kontakt zu meiner Gastfamilie auch seine guten Seiten.

 

Es gibt auch weitere Bilder.

15. Mai 2006

Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Zumindest die japanischen Fernsehzuschauer kann ich demnächst (23.5., 17.40 Uhr auf Kanal 42) mit meiner wohlgestalteten Rückansicht beeindrucken, denn heute war wieder das japanische Fernsehen bei uns.

Wir hatten die Jungs und Mädels bereits in der Agrargenossenschaft gesehen und dabei vermutete ich schon, dass die auch noch zu uns auf dem Betrieb kommen würden. Was dann auch geschah. Ushimaru-san (nicht der Kondo-san!) hat sie über den Betrieb geführt und wurde ausführlich interviewt. Danach stand eine (fingierte) Besprechung mit Chef und allen Mitarbeitern auf dem Hof an. Zehn Mann hoch und ich dazwischen. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie vergleichsweise groß ich doch bin, denn zwischen den Japaner guckte ich doch deutlich oben raus. Bin gespannt, ob und wenn ja, wie das rauskommt.

Da eine Landwirtschaft aber nix ohne die Arbeit auf dem Feld ist, ging’s anschließend zur Salaternte raus aufs Feld. Ushimaru-san wurde fleißig interviewt und gefilmt, während alle anderen sich ebenfalls von der besten Seite zeigten und kräftig arbeiteten. Ohne darüber nachzudenken und weil es das nächstliegende war, schnappte ich mir einen Korb und begann die von Ushimaru-san geernteten Salatköppe einzupacken. Erst so nach und nach ging mir auf, dass ich die ganze Zeit meinen Hintern in die Kamera halte. Nun waren die Kameraleute zwar ein ganzes Stück weiter vorne in der Salatreihe, aber wenn sie Ushimaru-san von vorne filmten, muss zwangsläufig auch meine Rückansicht auf dem Bild gewesen sein. Je mehr ich darüber nachdachte, desto weniger konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen und stapelte weiter fleißig meinen Salat. Derweil die Reihe abgeerntet war und das Interview am Ende der Reihe weiterging, rückte ich automatisch nach und nach näher an das Kamerateam heran, weiterhin mit dem Rücken zur Wand. Und plötzlich stand der Kamerafuzzi neben mir und filmte mich bei der Arbeit. Verbeiß dir da mal das Lachen und bleib bei der Sache. Innerlich hat es mich fast zerrissen vor Lachen. Mal sehen, ob davon was gezeigt wird.

Damit war der Peinlichkeiten aber noch lange kein Ende gesetzt, denn mittlerweile war ich bis auf wenige Meter an die Filmcrew herangerückt, da sprach mich die Interviewerin an. Vor mir stand da also eine junge und durchaus hübsche Dame im weißen Kleidchen, dahinter der Kameramann (zum Glück ohne eingeschaltete Kamera), der Toningenieur, noch einer und Ushimaru-san. Ich stand zwischen meinen Salatköpfen, logischerweise nicht im Sonntagsstaat und verstand überhaupt nicht, was die Dame von mir wollte. Trotz Wiederholung blieb letztendlich nicht mehr als ein verlegenes Grinsen, der Abbruch des „Gesprächs“ und die Einsicht, dass man doch hätte mehr Japanisch lernen sollen.

Wobei ich allerdings von einer Reporterin und sei es nur das Regionalfernsehen, m.E. auch erwarten darf, dass sie so gut Englisch spricht, dass sie mir das auf Englisch sagen kann. Aber da bin ich wohl auf dem falschen Dampfer.

 

Wenn man bedenkt, dass in den vier Wochen, in denen ich nun auf dem Betrieb bin, bereits zweimal das Fernsehen da war, wird mir so langsam bewusst, dass der Betrieb meines Chefs kein x-beliebiger sein kann. Auf der Welcome-Party meinte einer der Männer, dass der Betrieb von Kondo-san zumindest einer der größten, wenn nicht der größte in ganz Japan sein muss.

Auf meine Nachfrage hieß es nur, dass so drei- bis viermal im Jahr das Fernsehen kommt.

Tja, meine Lieben, Ihr habt es leider verpasst, Euch vor meiner Abreise ein Autogramm geben zu lassen. Jetzt bin ich ein japanweit bekannter Salatkopfernter und Frühlingszwiebelwäscher und so ohne weiteres gibt es keine Autogramme mehr.

17. Mai 2006

Hierarchien

Man hat uns ja schon damals am 3. Dezember in Bonn ausdrücklich darauf hingewiesen, das wir als Praktikanten die letzten in der Kette sein werden. Wir können die Sprache nicht, sind neu und keiner weiß, was wir können und was nicht. Zudem funktionier das japanische Lehrwesen traditionell so, dass der Lehrling zuschaut und lernt. Viele Erklärungen werden üblicherweise nicht gegeben und viele Fragen werden nicht gestellt. Also Klappe halten, beobachten und bei passender Gelegenheit zeigen, dass man was gelernt hat.

Heute hatten wir den ganzen Tag einen richtig schönen Landregen. Aber da wir ja nicht aus Zucker sind und Mairegen schön macht, hieß es raus aufs Feld, Salat und Kohl ernten und danach Unkraut im Lauch zupfen. Alle waren in Regenklamotten eingepackt und versuchten, so trocken wie möglich zu bleiben. Alle? Nein, nicht alle, denn ein kleiner Teil der Belegschaft inkl. dem Chef blieb im Trockenen und hat Reis in Aussaatschalen ausgesät. Das waren diejenigen, die in der Hackordnung ziemlich weit oben stehen, während die Unkrautzupfer auf den unteren Stufen der Leiter stehen.

Ich kann das ja wirklich gut nachvollziehen und würde an deren Stelle gleich handeln. Aber wenn man nass und leicht unterkühlt vom Feld kommt, dreckig, dass die Hose von alleine stehen würde und dann die Jungs entspannt im T-Shirt arbeiten sieht, bleibt einem nur ein wissendes Grinsen und Gleichmut.

 

Kein Bogen, keine Pfeile, kein Geld

Es sind Tage, wie dieser, die bewirken, dass es mir hier gefällt. Ich habe mir heute Abend einen Bogen und einen Satz Pfeile für 62.300 Yen (rund 450,- €) gekauft. Allerdings habe ich momentan keinen Bogen und keine Pfeile, denn die bekomme ich erst nächsten Montag im Training.

Der Kauf an sich war einfach skurril. Als ich vor zweieinhalb Wochen das erste Mal den Kyudoka in Zentsuji zugeschaut habe, kam recht schnell das Gespräch auf einen eigenen Bogen. Beim zweiten Mal wurde der Kauf eingefädelt und dingfest gemacht und heute Abend kam die Händlerin (Suekane-san) samt Sohnemann und brachte mir das gute Stück. Da es in Zentsuji aber kein überdachtes Dojo (Übungshalle) gibt, muss alles im Freien stattfinden. Heute hat es allerdings den ganzen Tag geregnet. Also haben wir uns eben auf der Veranda des Dojo der Iaidoka und Karateka getroffen. Das heisst, es ist Abends, 18.30 Uhr, es wird schon langsam dunkel und Suekane-san breitet ihr Hab und Gut auf einer 1 m breiten Veranda aus, während es auf der einen Seite schön gleichmäßig regnet und auf der anderen Seite die Iaidoka ihr Schwert schwingen. Dazwischen acht Kyudoka, die z. T. selber einige Kleinigkeiten kaufen, aber in erster Linie zum gucken da sind und sich redlich bemühen, mir den japanischen Kauderwelsch zu übersetzen. Denn schließlich gilt es noch diverse Entscheidungen zu treffen. So muss als erstes entschieden werden, welche Pfeile ich haben möchte. Truthahn oder Adler, wobei ich mich aus Kostengründen für den Truthahn entschieden habe. Aber welche Farbkombinationen? Welche Farbe soll das Griffleder, welche die Bogenhülle haben? Bekanntlich sind nachts alle Katzen grau und ich hoffe nun, dass die Farben, die ich ausgesucht habe, im Hellen so aussehen, wie ich sie mir heute Abend vorgestellt habe.

Der nächste Fall ist die Pfeillänge. Bekanntermaßen gehe ich über das japanische Standardmaß hinaus und meine Pfeillänge passte nicht zu den mitgebrachten Köchern. Also werde ich auch da die lange Version geliefert bekommen (ebenfalls erst am Montag). Da es zudem schon dunkel war, packte der Sohnemann die ausgesuchten Pfeile wieder ein und wird sie bis Montag fertig stellen.

Zwischendurch verließ uns dann derjenige, der den Kauf für mich eingefädelt hatte und der noch am besten, wenn auch sehr wenig, Englisch kann. Er nahm einen Teil meiner gekauften Ausrüstung gleich mal mit und wird ihn mir am Montag wieder bringen. Den Bogen nahm letztendlich einer mit, der mit dem Auto gekommen war. Somit war der Bogen vor dem Regen geschützt.

Zum Abschluss noch ein bisschen Palaver auf der Veranda (was tuste, was machste, wie groß biste) und schwups, waren alle wieder weg und ich stand da – ohne Bogen, ohne Pfeile und ohne Geld, denn das hat Suekane-san dann doch lieber gleich mitgenommen. Um sicherzugehen, dass ich kapiere, wie viel ich zu zahlen habe, wurde der Rechnungsbetrag auf dem Handy angezeigt.

 

Wenn man bedenkt, dass ich die Leute erst seit nicht mal drei Wochen kenne und ihnen jetzt meinen Bogen und die Pfeile anvertraue, so könnte man schon auf den Gedanken kommen, das wäre leichtsinnig. Aber ich habe nicht eine Spur von Misstrauen, denn so wie ich die Japaner kennen gelernt habe, würden sie mich nie über den Tisch ziehen. Eher bemühen sie sich mit aller Kraft, dass ich das bekomme, was ich mir wünsche. Dies ist eine Eigenschaft, die ich sehr schätze, wobei es im gleichen Maße beinhaltet, dass auch ich mich bemühe, wenn ich irgendwie helfen kann.

 

Zur Feier des Tages verzichte ich freiwillig auf den obligatorischen Reis und werde nun stattdessen einen Eintopf nach deutscher Art mit Kohl, Kartoffeln und Hackfleisch verspeisen. Der duftet bereits herrlich und dazu wird es den Rest des Rotweins vom Samstag geben. Bis die Tage.

19. Mai 2006

NICE TO MEET YOU!!!

So kommt’s, wenn man in einem fremden Land meint, etwas zu verstehen.

Vor ein paar Tagen kam mein Chef und sagte, Freitag Abend, 17.45 Uhr nach der Arbeit treffen wir uns und reden über die Arbeit. Für mich war klar, dass nach vier Wochen ein Strich gezogen werden sollte und man über dies und jenes sprechen wollte. Zudem hatte ich ein paar Fragen, die ich bei passender Gelegenheit loswerden wollte.

Ich also nach der Arbeit geduscht und leger angezogen, Hausschlappen an, Wörterbuch, Zettel, Bleistift und Radiergummi geschnappt und, natürlich pünktlich, rein ins Büro und gewartet. Mein Chef kommt rein und meint nur „ready to go?“ („Können wir los?“).

Man kann sich vielleicht mein ungläubiges Gesicht vorstellen, als er mich sofort (keine Chance zum Umziehen) mitnahm, unten im Hof in ein Auto verfrachtete, in dem ein Freund von ihm und dessen Frau saßen und die Fahrt losging. Kurze Vorstellung meinerseits und ab da war dann Essig mit Verstehen.

Also saß ich da nun in einem fremdem Auto bei fremden Leuten, die irgendwohin fuhren, mein Chef brabbelte irgendwas auf Japanisch und ich daneben, brav mit Wörterbuch, Zettel, Bleistift und Radiergummi und völlig verwirrt. Die Fahrt endete nach 20 min. urplötzlich auf einem runtergekommenen Parkplatz vor einer runtergekommenen Hütte, die Frau nahm das Auto wieder mit und wir Männer betraten die Hütte, die sich als das Lokal eines Freundes vom Chef rausstellte.

Hier löste sich dann auch das Rätsel – Chef, Chefkoch und Freund sind alte Kumpels noch aus der Schulzeit und ab und zu treffen sie sich im Lokal des Zweiten und dann geht’s rund.

Was soll ich sagen – ich betrat eine andere Welt. Und viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Als Eingang gab es ganzen (kalten) Fisch, ca. 12 cm lang mit Kopf und Schwanz (die hab ich nicht gegessen, sollen aber lecker sein....), der so was von bitter war, dass nur ein großes Bier darüber hinweg half. „Magst Du Sake?“ « Ja» - schon standen die Becher auf dem Tisch und dann hilft nix. Da musste durch. „Magst Du Shouju?“…

Wir drei waren ziemlich schnell ziemlich gut beieinander und es wurde zusehends lauter und jeder hereinkommende Gast wurde lauthals begrüßt. Besonders der Freund konnte sich noch an vier Wörter aus seiner Schulzeit erinnern: „nice to meet you“ (Ich freue mich, Dich zu sehen) was er jedem mit allem, was sein großer Brustkorb hergab, entgegenbrüllte, und das waren einige.

Gegen später gesellte sich noch ein weiterer Freund, ein Zahnarzt, hinzu, der immerhin zu Studienzeiten zwei Jahre Deutsch gelernt hatte, aber gar nix mehr konnte, und ab da war Schluss mit der Nachtruhe der Nachbarn.

Ich habe zwar die meiste Zeit nix verstanden, aber trotzdem gelacht, bis die Tränen liefen, mein Chef hatte immer mehr Probleme, zu übersetzten (und ich zu verstehen) und zwischendurch gab es dermaßen leckeres Essen (Sashimi, Udon) und reichlich Kostproben aus der Vielzahl der japanischen Alkoholika, so dass der Abend ausgesprochen erfreulich verlief. Und ich habe gelernt, wie man eine Freundschaft begießt.

 

Die Taxifahrt nach Hause verlief ausgesprochen lautstark und zu Hause angekommen musste ich erst noch eine Stunde durch Zentsuji laufen. Andernfalls wäre das Bett die ganze Nacht Karussell mit mir gefahren. Und den Samstag war ich gottfroh, dass ich nicht arbeiten musste.....

21. Mai 2006

Es gibt Tage....

... da verlierst Du und es gibt Tage, da gewinnen die Anderen.

Als so einen Tag könnte man diesen Sonntag z. T. bezeichnen. Nicht genug, dass man am Sonntag arbeiten muss (daran hab ich mich gewöhnt), nein es kam soweit, dass ich mir beim Kohl ernten so dermaßen in das linke Daumengelenk geschnitten habe, dass auf dem Acker demnächst Blutwürste wachsen müssten. Es blieb nix anderes übrig, als ins Krankenhaus zu fahren und die Wunde zu nähen. Glücklicherweise scheint außer Fleisch nix getroffen zu sein, denn der Daumen ist voll beweglich und nahezu schmerzfrei, was mich selbst ein wenig wundert. Wie es dazu kam? Wenn man 20 Minuten vor Feierabend daran denkt, dass man Hunger und keine Lust mehr zum Arbeiten hat und dass man Abends zum ersten Mal bei der Familie von Stefan eingeladen ist und dann geistesabwesend mit einem scharfen Messer hantiert, ist ein Unglück vorprogrammiert.

 

Der gute Teil dieses Tages war dann aber die Einladung bei Familie Imada, der Gastfamilie von Stefan. Seine Situation ist von meiner grundverschieden. Er lebt mit Vater, Mutter, Sohn und Praktikant unter einem Dach und hat sämtliche Rechte und Pflichten eines Familienmitgliedes. Das Haus ist recht klein und große Menschen müssen sich wirklich überall bücken (Stefan ist nahezu gleich groß, wie ich). Sein Zimmer ist ein ganz traditionelles mit tatami und shoji und langt grad, um sich lang hinzulegen. Aber sehr stilvoll.

Zum Essen gab es lecker yakiniku – in etwa vergleichbar mit einem Grillabend in Deutschland. Es wurde viel gelacht, der Sohnemann und ein „Lehrling“ waren unsere Übersetzer, denn beide waren für 2 Jahre in den USA und gegen später wurde der Geburtstag der Mutter um ein paar Stunden vorverlegt. Stefan und ich sangen „Zum Geburtstag viel Glück“ und alle hat’s gefreut.

Interessant war die Rollenverteilung zu beobachten. Draußen haben nur die Männer gegessen und gegrillt, während die Mutter im Haus blieb und uns immer mal wieder mit Nachschub versorgte. Laut Stefan ist sie eine sehr gute Köchin und er freut sich den ganzen Tag auf das tägliche Abendessen, die Hauptmahlzeit des Tages. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass es zum Frühstück nur ein oder zwei Scheiben Toastbrot mit Marmelade und zu Mittag eine „bentobox“ gibt. Und das für einen ausgewachsenen jungen Mann, der körperlich voll arbeitet. Allein leben hat auch seine Vorteile – dann sind die Mahlzeiten wenigstens ausreichend groß...

23. Mai 2006

.... und es gibt Tage...

... da steckst Du alle miteinander gleichzeitig in den Sack.

Solche Tage waren dieser Montag und Dienstag. Der Kurzbesuch beim Doc war schnell vorbei und entgegen der Anweisung des Chefs habe ich gearbeitet. So was kommt an und „Gut Wetter“ ist immer für was gut.

Dann gab es eine Einladung zu einem Treffen der dt.-jp. Gesellschaft am 4. Juni in Takamatsu mit Ukawa-san, dem Boss der Agrargenossenschaft.

Anschließend durfte ich endlich meinen neuen Bogen und die Pfeile in Empfang nehmen. Schießen war leider wegen dem kaputten Daumen nicht drin. Zudem fehlte dem Bogen noch das Griffleder und der Sehne die Sehnenwicklung. Trotzdem ein sehr erhebendes Gefühl.

Doch der Tag brachte noch mehr Erfreuliches. Abends erhielt ich über Lissa per Mail eine Einladung von Herrn Nambara, der im Juli ein paar Tage auf „seiner“ einsamen Insel vor der Südküste Shikokus verbringt. Ich solle ihn doch besuchen kommen. Die Rücksprache mit Herrn Kondo brachte die Zustimmung für zwei Tage Sonderurlaub. Im Gegenzug werde ich dafür wahrscheinlich mal einen oder zwei freie Tage sausen lassen.

Gleichzeitig stellte sich heraus, dass Herr Kondo vom 8. – 10. Juni mit den neuen chinesischen Arbeitern und mir die Tage in Tokyo verbringen will und wir u.a. ins Disneyland Tokyo gehen werden.

So kommt man in Freizeitstress: 4. Juni Takamatsu, 5.-6. Juni Okinoshima Moshima und 8.-10. Juni Tokyo. Herz, was willst Du mehr.

 

Ein Frage und deren Folgen

Begeht niemals den Fehler, zwei ältere Damen nach einem Kochrezept zu fragen, wenn Ihr die Sprache nicht versteht. Da wird man sofort mit Rezepten und Varianten bombardiert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und wenn Gebärdensprache und Wörterbuch nicht mehr helfen, rennt frau schnell los und holt herbei, was gemeint ist.

Dabei wollte ich eigentlich nur wissen, wie lange man takenoko (Bambussprösslinge) kochen muss, weil das beim ersten Mal so lange gedauert hat, bis der gar war....

Dazu kam es überhaupt erst, weil ich mit meiner kaputten Hand zu den Frauen abgeordnet wurde. Die sitzen in der Halle und putzen und sortieren u.a. Frühlingszwiebeln. Dabei wird die Hand geschont und kann nicht nass werden. Und wenn man und frau nebeneinander sitzen, versucht man eben auch zu reden.

 

Witzig ist auch, nur mit den Chinesinnen und Thailänderinnen zusammen zu arbeiten. Die einzige gemeinsame Sprache ist für alle Japanisch. Jede(r) spricht aber nur ein rudimentäres Japanisch (aber zumindest wesentlich besser als meines) und so ist die Unterhaltung ein wildes Gemisch aus Japanisch, Chinesisch, Thailändisch, einzelnen Wörtern Englisch und, wenn sie sich mal wieder über mich lustig machen und ich nichts verstehe, einer spitzen Bemerkung auf Deutsch.

Wobei die Arbeit mit den Damen schon angenehm ist. Es wird nicht ständig geredet, sondern die meiste Zeit gearbeitet und es herrscht Ruhe.

   
   
  wegen der Übersichtlichkeit geht es ab jetzt im 3. Teil des Tagebuchs weiter.