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Liebe Freunde und Besucher, herzlich Willkommen im Tagebuch einer Japanreise - Teil 6 Auf diesen Seiten möchte ich Euch einen Eindruck von meinem Japanaufenthalt in Zentsuji vom 10. April 2006 bis 16. März 2007 vermitteln.
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| 19. August 2006 |
Urlaub Sommerzeit – Urlaubszeit. Diese einfach Formel lässt sich auf uns Praktikanten sehr wohl übertragen, denn in den letzten zwei Wochen habe ich alle noch verbliebenen deutschen Praktikanten hier in Zentsuji erleben dürfen. Zuerst (15. August) kam Markus aus Shizuoka-ken. Er war auf der Durchreise und irgendwie hatte ich ihn auf Montag Abend eingeplant, aber er stand plötzlich Sonntag Abend vor meiner Tür. Da hieß es umdisponieren, spontan ein wunderschönes Matsuri (Fest) am Gokoku-jinja zu erleben und bis spät in die Nacht mit Markus und Stefan zu quatschen. Das blöde an der Sache war nur, dass die beiden frei hatten (O-bon) und ich arbeiten musste. So quälte ich mich nach drei Stunden Schlaf durch den Tag, während die beiden die Gegend erkundeten. Schön war, dass sich Stefan eh mit Naomi-san, einer Japanerin, die ein Jahr in der Schweiz war, verabredet hatte und wir vier die Mittagspause zusammen verbrachten. Ich sag da nur „warui“ (schlecht – Markus), „furui“ (alt – ich), „minikui“ (hässlich – Stefan) und „suteki“ (schön – Naomi). Den darauffolgenden Tag habe ich nur geschlafen...
Doch auch unser (Stefan und ich) Urlaub sollte dann am 19. August beginnen. Lange herbeigesehnt, dringend notwendig und mit Aussicht auf ein paar schöne Tage ging der erste Tag in die Nachbarpräfektur Tokushima-ken. Ich kann es nur immer wieder wiederholen – Shikoku ist schlicht eine traumhaft schöne Insel und wer von Norden nach Süden fährt, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Diese Berge, diese Wälder, diese Flüsse – einfach traumhaft, selbst bei Regenwetter. Die geplante Bootsfahrt auf dem Fluss fiel wegen Schlechtwetter dann auch ins Wasser, aber der Besuch der Kasura-bashi, machte das mehr als wett. Die Kasura-bashi ist ein Brücke, die nur aus Lianen und etwas Holz und Bambus gefertigt ist und vor vielen hundert Jahren angelegt wurde. Warum genau, vermag heute keiner mehr zu sagen, aber sie ist eine irre Konstruktion und es erfordert doch ein bisschen Mut, sie zu überqueren, denn der Fluss darunter ist bei Regen (unser Wetter) ein wahrlich reißender Strom und die Stege, auf denen man läuft, sind nichts mehr als schmale Brettchen, die aussehen, als würden sie gleich brechen. Zudem sind die Abstände zwischen den Stegen gefühlsmäßig sehr breit. Es sei aber hinzugefügt, dass jährlich tausende Menschen diese Brücke überqueren und sie schon dementsprechend gesichert ist. Allerdings war bei uns halt strömender Regen angesagt und da wird Holz und Liane eben glitschig. Wir beide ließen uns die Gelegenheit natürlich nicht nehmen, so nah wie möglich an den Fluss zu kommen und Bilder von quasi unter der Brücke zu machen. Wäre an sich nichts besonderes, wenn daneben nicht dieser Fluss gewesen wäre, in dem, fällt man bei dem Wetter hinein, ganz sicher ertrunken wäre. Ein bisschen Nervenkitzel sollte aber schon sein, und der Anblick der Brücke lohnte sich dementsprechend. Mit Japanern kann man eine solche Fotosession meistens komplett vergessen, denn „das kann man nicht machen“, „das ist viel zu gefährlich“ und blablabla. Allein die etwas verstörten Gesichter der anderen Besucher, als wir da unten quasi im Wasser standen, machten den Tag zu einem Erfolg, der aber noch viel besser werden sollte. Wir beide hatten uns für den Tag richtig „gut“ vorbereitet und waren somit die beiden einzigen, die keinen Regenschirm dabei hatten und folglich nass bis auf die Knochen waren. Aber was soll`s, wenn es in Japan regnet, ist es trotzdem warm und darum auszuhalten.
Pünktlich mit Beendigung des Besuchs der Kasura-bashi hörte es natürlich auf mit regnen und wir enterten einen Bus Richtung Onsen. Eigentlich wollten wir ein anderes Onsen aufsuchen, aber da ich an diesem Tag völlig die Orientierung verloren hatte, aber felsenfest davon überzeugt war, dass der Bus der richtige ist, setzten wir uns in den „falschen“ Bus und bekamen dafür ein Onsen, das sicherlich seinesgleichen im sehr onsenreichen Japan sucht. Der Zugang zum eigentlichen Onsen kann nur über ein „cable car“ erfolgen, denn der Ausgangspunkt ist ein Hotel auf dem Berg und das Onsen liegt im Flusstal, rund 60 Höhenmeter direkt unterhalb des Hotels. Die Bahn fuhr nahezu senkrecht den Berg runter und ermöglichte einen Blick, der einem vor Staunen das erste Mal den Mund offen stehen ließ. Ein Flusstal, das sich in komplett mit Bäumen bewachsene Berge gefressen hatte, in dem ein Wildwasser mit aller Macht rauschte und ein Farbenspiel, wie es nur in Japan sein kann. Nach herrlich schräger Bahnmusik und einer Fahrt, die an Langsamkeit nicht überbieten war, sollte es unten mit den Überraschungen weitergehen. Das eigentliche Wasserbecken, das vielleicht 10 qm groß war, lag direkt am Fluss und wenn ich direkt schriebe, dann meine ich direkt. Der Mensch sitzt da also in einem wunderbar warmen Wasserbecken und schaut über den Beckenrand nach unten in den rund 2 m unterhalb fließenden Fluss. Man kann es kaum beschreiben, was das für ein irrer Anblick war – der reißende und laute Fluss, die Berge und Bäume gegenüber, die ansonsten herrliche Ruhe, das wunderbar warme Wasser und wir mittendrin. Wer hier nicht die totale Entspannung findet, kommt nicht von dieser Welt.
Völlig gelöst stiegen wir wieder in den Bus (der letzte am Tag um 14.08 Uhr) und erlebten eine Busfahrt der Sonderklasse. Die Strasse ist eine kleine Bergstrasse mit Kehren und Wendungen, die einem so manches durch den Kopf gehen lassen und eigentlich viel zu schmal für einen Bus. Was unserem Busfahrer aber egal zu sein schien, denn er jagte mit seinem Gefährt um die Kurven, hupte vor jeder Kurve, dass es (k)eine Freude war und brach sicherlich sämtliche Geschwindigkeitsrekorde im Bus-durch-Bergstrassen-jagen.
Als krönenden Abschluss wollten wir mal wieder den Konpirasan hochklettern, aber da warf sich Kamerad Zufall in Form der zwei alten Männer vom Fahrradstall am Bahnhof dazwischen. Wir da rein, unsere Fahrräder abgestellt und da meinte der eine „He Jungs, die netten Mädels da vorne im Yugata (eine Art Kimono und richtig schön, zumal wenn da die richtige Frau drinsteckt...) fahren alle an Marugame zum Matsuri und Feuerwerk.“ Man kann sich unsere spontane Umplanung denken und so landeten wir halt in der Gegenrichtung in Marugame. Es gibt darüber wenig zu berichten, außer – die Frauen waren z. T. sehr schön und das Feuerwerk das beste, das ich bisher erlebt habe.
20. August 2006 Die Busfahrt von Takamatsu nach Kyoto ist unspektakulär, dauert dreieinhalb Stunden und kostet hin und zurück 8.600 Yen. In Kyoto angekommen, ging der erste Weg die riesigen Treppen des Kyotoer Hauptbahnhofes hinauf, was einfach lohnenswert ist, denn der Bahnhof ist ein riesen Gebäude und von oben hat man eine relativ gute Sicht über Kyoto. Danach folgten die ersten einer langen Reihe von gelaufenen Kilometern in Richtung Hotel, welches sich als ein Ryokan der besonderen Art herausstellte, das sicherlich im schönsten Stadtviertel von Kyoto liegt. Was an sich noch nicht mal (aus unserer Sicht) das beste daran war, sondern der Umstand, dass sowohl der Wirt (okami-san) und seine Frau aus Kagawa-ken stammen. Doch dazu ein paar Worte mehr. Bereits bei der Buchung, die Stefans Gastmutter für uns erledigte, wurde klar, dass wir es hier mit Leuten aus Kagawa zu tun bekommen würden, denn auf die Aussage, wo wir herkommen, folgte eine erfreute Reaktion. In Kyoto selbst stellte sich letztendlich heraus, dass der Wirt (82 Jahre) aus unmittelbarer Nähe von Stefans Gastfamilie kommt, die Gegend um Kotohira und Zentsuji auch nach langer Abwesenheit immer noch sehr gut kennt und er zuguterletzt wahrscheinlich sogar mit den Imadas verwandt ist, denn seine Tante hat vor langer Zeit einen Imada geheiratet. Auf seine Frage, woher wir denn seine Adresse hatten (von meiner Tante Lissa), konnte er sich sogar noch an Lissa erinnern. So dauerte das Anmelden also wesentlich länger, als üblich, wir hatten gleich eine Einladung zum Abendessen am Dienstag auf dem Tisch liegen und das schönste Zimmer war für uns reserviert. Das Ryokan liegt im Osten Kyotos in einer Strasse, die fast nur aus alten, traditionellen Häusern (machiya) besteht und somit einen Charme hat, der im krassen Gegensatz zu den sonstigen japanischen Betonklötzen steht. Klein, fein, nur aus Holz und Bambus und ruhig. Direkt angrenzend an „unsere“ Strasse befindet sich das berühmte Vergnügungsviertel Gion.
Den ersten Nachmittag zogen wir durch die sehr belebten Einkaufsviertel von Kyoto („Terramachi“) und bekamen eine Ahnung davon, dass das Leben als ausländischer Exot erst mal vorüber sein würde, denn an Ausländern mangelt es in Kyoto beileibe nicht. Sie sind meist schon in der Kombination Er läuft voraus und sie eher luftig bekleidet hinterdrein. Beide in kurzen Hosen und er trägt den Rucksack, sie vielleicht die Kamera. Ein Bild, wie wir es tausendmal gesehen haben. Wer gerne einkauft, dem gefallen die vielen kleinen Läden der Terramachi sicher, uns wurde es wegen dem Getümmel schnell zuviel und so ging der Weg Richtung Fushimi Inari, ein Schrein etwas am Rande von Kyoto und berühmt für die vielen tausend roten Schreintore, die die Wege überspannen und in den Abendstunden ein tolles Licht erzeugen. Es sollte uns eine Ahnung erschleichen, was die nächsten Tage auf uns zukommen sollte. Der Schrein ist wunderbar, er zieht sich über einen sehr langen Weg den Berg hinauf und man sollte Treppensteigen mögen, wenn man den Schrein erklimmt. Oben wird man dafür mit einer Aussicht über Kyoto belohnt, die sicher ihresgleichen sucht. Am Spätnachmittag waren noch eine Menge Touristen unterwegs, aber gegen Abend nur noch Treppenjogger und Liebespärchen. Zurück in unserer Strasse begegneten wir einem der wohl berühmtesten Gesichter Japans – dem einer Maiko. Eine Maiko, ein „tanzendes Mädchen“, ist wohl eher weniger bekannt, dafür aber die Geisha, in Kyoto Geiko genannt. Bilder, die man zuhauf über die wundervoll geschminkten und gekleideten Damen findet, können die wirklicher Schönheit dieser Damen nicht darstellen und so waren wir ob der sehr kurzen Begegnung fasziniert und viel zu eingenommen, um auch nur an ein Bild zu denken – der Beginn eines Leidensweges.
21. August Der Montag stand im Zeichen der Gärten Kyotos. Stefan hatte uns für einen Garten angemeldet, in den man ohne frühzeitige Anmeldung nicht reinkommt und der zudem 3.000 Yen kostet, das relativ teuer ist. Es handelte sich um den Saiho-ji, besser bekannt als Kokedera oder Moostempel. Der Saiho-ji ist ein Zentempel, wird nach wie vor von Mönchen genutzt und so war Teil des Programms eine Übung im Lesen und Sprechen von Sutras (die monoton wirkenden Sprechgesänge der Mönche – sehr interessant), was uns aber aufgrund mangelnder Lesekenntnisse verschlossen blieb und wir nur zuhörten, sowie dem Schreiben eines Wunsches auf ein spezielles Stück Holz, welches im Anschluss vor den Altar gelegt wird und vor dem man um die Erfüllung dieses Wunsches bittet. Erst danach durfte man sich frei im Garten bewegen und die Ruhe und das viele Moos genießen. Leider war die beste Zeit für die Betrachtung des Mooses (?) (Mai und Juni) schon vorbei und einige Stellen wirkten eher mager. Trotzdem hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.
Auf dem Rückweg besuchten wir noch spontan einen kleinen Tempel, der voll mit Bambus stand und danach führte unser Weg nach Arashiyama, einer wegen ihrer Schönheit berühmten Ecke Kyotos. In Arashiyama gibt es eine Vielzahl von Gärten und Tempeln und da Stefan vor wenigen Wochen schon mal in Kyoto war und den Garten daher kannte, besuchten wir den Okochi-sanso. Ich habe von japanischen Gärten nach wie vor recht wenig Ahnung, aber wenn irgendjemand sich für diese Form der Gartengestaltung interessiert, muss er irgendwann diesen Garten besuchen. Nehme ich den ganzen Urlaub, so kann ich sagen, dass der Okochi-sanso neben dem Onsen in Tokushima-ken der Höhepunkt war. Er strahlt eine unglaubliche Ruhe und zugleich Kraft aus, er ist wundervoll verwinkelt und auf verschiedenen Ebenen angelegt, eine Vielzahl von Farben und Formen kann man allüberall entdecken und es ist einfach ein Genuss, ihn in Ruhe und mit Muse zu durchwandern. Von ganz oben hat man ebenfalls einen guten Ausblick über die Stadt.
Für diesen Tag reichte es mit Gärten und Tempeln und so führte uns der Rückweg über die shi-dori, einer riesigen Strasse, voll mit Einkaufstempeln und den namhaften Marken dieser Welt zurück zum Ryokan. Der Abend endete schließlich damit, dass wir uns mit Andre, dem Praktikanten aus Gifu-ken, nach langem Warten auf einer Brücke am Kamogawa trafen und letztendlich in einer edlen, wenn auch teuren Bar landeten. Eine Begegnung dieses Abend wird mir aber in negativer Erinnerung bleiben. Wir schlenderten durch einer dieser alten Gassen, eine Unmenge Touris um uns rum, als auf einmal völlig unerwartet eine Maiko den Weg kreuzt. Egal, wo diese Frauen auftauchen, sie sorgen für Erstaunen und jeder (zumindest alle Nichtjapaner) verrenkt sich den Kopf. Sie lief recht flott durch das Getümmel und begegnete einer Gruppe mittelalterlicher Weißer. Sie lief recht schnell vorbei und weil natürlich keine Zeit zum fotografieren war, rannte doch einer dieser Idioten, tut mir leid, einen anderen Ausdruck finde ich nicht, mit wehenden Fahren an der Maiko vorbei, zückte seine Kamera und fotografierte sie so ganz plump und dreist von vorne. Ohne zu fragen, ohne sich zu bedanken und rannte schließlich zurück. Ich fand das so kackdreist, rotzfrech und vor allem unverschämt, dass ich mich geschämt habe, ebenfalls als Tourist erkennbar zu sein.
22. August Die schweren Beine vom Vortag sollten uns und Andre am Dienstag nach Nara tragen. Nara ist eine sehr alte Stadt, rund eine Stunde Zugfahrt südöstlich von Kyoto und war vor rund tausend Jahren die Hauptstadt des damaligen Japans. Der berühmteste Tempel in Nara ist der Todai-ji mit dem Daibutsu, einer riesen großen Statue eines sitzenden Buddhas. Daibutsu heißt übersetzt denn auch nichts anderes, als Großer Buddha. Daneben gibt es in Nara noch eine Vielzahl weiterer Schreine und Tempel, wobei wir nur noch den Kofuku-ji und hinterher die alten Strassen Naras anschauten. Nara und Kyoto haben gemeinsam, dass sie während des WW II nicht von den Amerikanern bombardiert und daher noch relativ viele alte Häuser haben. Angeblich sollen die beiden Städte dies einer Laune eines amerikanischen Generals zu verdanken haben, der die beiden Städte wohl kannte und mochte. Heute ist Nara Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Nara ist zudem für seine vielen Rehe oder besser Damwild berühmt. Die Tiere laufen zu tausenden in der ganzen Stadt, vornehmlich bei den Tempelanlagen rum und sind ein beliebtes Fotomotiv. Sie gelten als heilig, demzufolge wird ihnen nichts angetan und sie sind sehr zutraulich und wenn man nicht aufpasst, klauen sie dir den Reiseführer aus der Tasche und fressen ihn auf. Die müden Beine verlangten zwischendurch nach einer Pause und der Magen nach Nahrung und so zogen wir auf der Suche nach einer Nudelbude durch die Strassen und bekamen recht schnell das Gefühl, dass sich die Naraianer entweder nur von Sternenstaub oder aber gar nicht ernähren. Kilometerweit kein Restaurant, keine Nudelbude, kein Nichts. Erst wieder kurz vor dem Bahnhof und damit kurz vor der totalen Erschöpfung empfing uns dann doch noch eine Ramenbude. Sehr lecker war das Essen, das kann ich sagen. Die Rückfahrt nach Kyoto verlief dann auch entsprechend ruhig und jeder versuchte auf den leeren Bänken zu schlafen. Was bleibt über Nara zu sagen – die Stadt ist sicherlich beeindruckend und der Todai-ji allein schon wegen seiner Größe toll. Aber so richtig begeistert hat die Stadt zumindest Stefan und mich nicht. Ob es an den unangenehm vielen Touristen lag, an den müden Beinen, an der großen Hitze oder aber vielleicht auch an den Viechern, die der Natur gemäß überall ihre Hinterlassenschaften hinterließen und man schon auf den Boden schauen sollte, wenn man hinterher nicht voll Rehknödel sein wollte. Die lange Trockenheit der letzten Wochen führte halt auch dazu, dass viele Pflanzen eher trocken und ohne Glanz wirkten und es recht staubig war. Unterm Strich und im Vergleich zu den Vortagen hätten wir uns Nara schenken können.
Am Abend waren wir bei dem Besitzer des Ryokan, Tsuchiya-san, eingeladen und so trennten sich unsere Wege von Andre. Der Abend war dann wirklich richtig schön und auch sehr interessant. Tsuchiya-san ist 82 Jahre alt und hat eine Menge zu erzählen. Erfreulicherweise kann er gut Englisch und auch wenn wir fast nur Japanisch miteinander sprachen, gab er sich sehr viel Mühe, redete langsam und verständlich und so hatten Stefan und ich das Erfolgserlebnis, mal eine richtig lange Unterhaltung fast nur auf Japanisch zu halten. Zu Essen gab es eine richtig „typisch“ japanische Mahlzeit mit den verschiedensten Häppchen, angefangen von Sushi, über Tempura (allerhand frittiertes), rohem Gemüse, Salat, Obst, Bier, Sake und weiß der Himmel was alles. Alles relativ schlicht gehalten und vielleicht gerade deshalb lecker.
Nach dem Abendessen zog es uns nach Gion. An den letzten Abenden hatten wir immer wieder Maikos gesehen und nie die Gelegenheit gehabt, eine zu fotografieren. Dies sollte heute Abend passieren. Bewaffnet mit Kamera, einem wachen Auge und immer noch müden Beinen ging die „Jagd nach dem Phantom“ los. Anders kann man diesen Abend nicht beschreiben, denn wir haben wirklich wieder einige dieser hübschen Damen gesehen, aber ums Verrecken nicht die Chance eines Fotos gehabt. Entweder kam sie hinter uns aus einem Hauseingang raus und verschwand prompt im nächsten, oder sie war am anderen Ende der Strasse, oder sie begleitete einen Kunden zum Taxi oder oder oder... Es war frustrierend und ich weiß nicht, wie oft wir unsere Strasse hoch und runter liefen, in der Hoffnung, endlich eine Maiko anzutreffen. Irgendwann besiegte uns dann doch die Müdigkeit und wie ich unser Zimmer betrat und aus dem Fenster schaute, lief direkt unter dem Fenster eine Maiko mit scheinbar aller Zeit der Welt vorbei. Das gab uns den Rest und wir sanken leicht frustriert und doch zufrieden auf unser Nachtlager auf dem Boden und schliefen den Schlaf der Gerechten. Denn obwohl uns das Foto versagt blieb, gewannen wir einen kleinen Eindruck dieser „Szene“ und allein das war der Abend wert. Außerdem, der Herbst wird uns wieder nach Kyoto bringen und wer weiß, was dann passieren wird.....
23. August Mittwoch Morgen trafen wir uns wieder mit Andre, wanderten zum Konichi-in, einem wunderschönen Zengarten, in dem leider gerade gebaut wird und dem Nanzen-ji, einer riesen Tempelanlage am Osthang Kyotos. Auch hier war es wieder sehr schön und doch machte sich bemerkbar, dass es mit Gärten und Tempeln so langsam reichte. Nur ich wollte noch einen anschauen, und zwar den Sanjusan-gendo. Das hatte natürlich seinen Grund, denn dieser Tempel ist in Kyudokreisen eine kleine Berühmtheit, werden hier heute doch die japanischen Meisterschaften im Enteki (Distanzschießen über 60 m) veranstaltet und wurde früher das Toshiya abgehalten. Toshiya war eine speziell auf diesen Tempel zugeschnittene Wettkampfform, die sich aus den Maßen des Tempels ergeben. Die Westveranda des Sanjusan-gendo ist rund 120 m lang, ca. 2,5 m breit und etwa 3,5 m hoch. Sie besteht aus 33 Nischen (Sanjusan = 33). Die besondere Schwierigkeit des Toshiya lag nun darin, über diese komplette Distanz innerhalb von 24 Stunden so viele Pfeile wie möglich ins Ziel zu bringen. Der Schütze kniete auf der Südseite, das Ziel befand sich auf der Nordseite. Allein schon 24 h zu schießen verlangt eine unglaubliche Kondition, zusätzlich erschwert wurde es durch eben die geringen Ausmaße der Veranda. Wer auch nur ein wenig was vom Bogenschießen versteht, der kann sich ausmalen, welch starke Bogen verwendet werden müssen, um 118 m mit einer nahezu flachen Flugbahn zu überbrücken. Und das 24 h lang. Der Rekord wurde 1686 von dem 22-jährigen Samurai Wasa Daihachiro aufgestellt. Er schoss 13.053 Pfeile ab, wovon 8.133 das Ziel trafen. Im Schnitt schoss Wasa rund 9 Pfeile pro Minute ab!!!! Diese Leistung ist einfach unglaublich.
Auf der Rückfahrt nach Takamatsu durften wir als krönenden Abschluss noch einen Sonnenuntergang der Extraklasse bewundern, bevor wir schließlich müde, aber zufrieden in Zentsuji ankamen. Stefan verbrachte die nächsten beiden Tage seines Urlaubs noch in Kochi-ken, während ich Donnerstag wieder arbeiten musste. Dafür werde ich im Oktober noch mal für fünf Tage nach Nagano-ken fahren.
Was bleibt nach diesem so sehr benötigten, anstrengenden und doch wunderschönen Urlaub zurück? Kyoto ist eine tolle Stadt, in der das Leben pulsiert, die aber nicht so hektisch wie Tokyo wirkt, die von allem sehr viel zu bieten hat, die nachts ganz anders aussieht, als tagsüber und sicher noch viele Geheimnisse birgt. Man sagt, wenn man einen Menschen kennenlernen will, soll man mit ihm in den Urlaub fahren. Mit Stefan war es wirklich ein Genuss zu reisen – wir haben ähnliche Interessen, ein ähnliches Tempo, können auch mal fünfe gerade sein lassen und besitzen eine gesunde Portion Spontaneität. Schlicht ein angenehmer Mensch und ein Freund. Was will man mehr in einem fremden Land.
28. August Diesen Samstag (26. August) kam Andre für vier Tage nach Kagawa. Das hatte er schon länger geplant und so tourte am Sonntag Stefan mit ihm durch die Lande, während er Montag allein unterwegs war und Abends noch bei mir den Betrieb anschaute. Es war nett, dass er da war, aber nach diesem ganzen Urlaubsrummel, der mit dem Besuch von Markus begann und erst am 28. August endete, reichte es mir mit Sonderveranstaltungen, Besuchen und Planungen. Es war toll, aber ich freute mich ehrlich und ernsthaft wieder auf die Arbeit, den Alltag und die Ruhe. Nichts besonders vor haben, Dienstag und Donnerstag Abend ins Kyudo, ein bisschen kochen, genug schlafen und die Hitze überleben. Alltag eben. Dies wird sich sicherlich in wenigen Tagen wieder ändern, aber vorläufig ist mir das recht.
Ich habe hier Eindrücke der Urlaubsreisen abgelegt. Aus Platzmangel wurden die vorhergehenden Bilder gelöscht. |
| 30. August 2006 |
Doch es wäre nicht Japan, wenn nicht schon die nächsten Daten auf dem Tisch liegen würden. Samstag geht es mit Ukawa-san durch die Lande, Sonntag ist Kyudoprüfung und dafür habe ich einen freien Tag eingetauscht. Daher gehe ich davon aus, dass die kommenden zwei Wochen sehr anstrengend werden. Donnerstag hat der Juniorchef von Stefan Geburtstag und da wurden Stefan und ich verpflichtet, endlich mal unser „deutsches“ Essen zu kochen, das wir schon so lange machen sollen. Keine Ahnung was es geben wird, aber die Federführung wird wohl bei liegen, denn vom Kochen hat Stefan – nun ja – recht wenig Ahnung. |
| 1. September 2006 |
Zeit zum Nachdenken Arbeiten müssen wir hier den ganzen Tag. Mal ist es viel Arbeit, mal weniger, mal ist sie neu und spannend, mal hat man sie schon tausend Mal gemacht und ist reine Routine. Die neuen und spannenden Arbeiten fordern den Geist und er hat wenig Möglichkeiten, auf Reisen zu gehen. Besteht aber die Aussicht auf ein oder zwei Stunden Routine, wie zum Beispiel negi ernten oder waschen, nutzt der Geist häufiger die Gelegenheit und zieht los, während er den Körper arbeiten lässt. Es ist dann immer wieder erstaunlich, worüber man sich im Laufe eines Arbeitstages so alles Gedanken machen kann und man nutzt die Gelegenheit, sich über sich und seine Umwelt, seine Erfahrungen, Wünsche, Träume und Pläne Gedanken zu machen und findet manches Mal Einsichten, die man bislang noch nicht hatte. So geraten plötzlich die vermeintlich langweiligen Arbeiten zu einem Quell geistiger Hochleistung. Ich habe von Meditationsübungen und dergleichen recht wenig Ahnung, aber so stelle ich mir es vor, wenn ein Mönch in einem japanischen Garten den Kies recht. Man tut das immer Gleiche und gewinnt doch immer wieder neue Einsichten. Ich hätte nie geglaubt, dass ich irgendwann mal solche Erkenntnisse beim negiernten gewinne. Aber es ist letztendlich auch alles eine Frage der Einstellung – nutze ich die Stunde oder ist schon von vorneherein alles blöd und madig. |
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Kyudo, der 2. Dan und die Verständigung Nach wie vor übe ich Kyudo in Marugame und nach wie vor kann ich mir immer wieder mal ein Grinsen partout nicht verkneifen. Vor allem dann, wenn sich die Mitschützen zum wiederholten Male darüber unterhalten, wann ich denn nun die nächste Prüfung habe, welche das denn sein wird, wann ich demzufolge den ersten Dan machen kann und ob die Zeit bis März ausreicht, den 2. Dan zu machen. Diese Gespräche, bei denen ich mich zwar beteilige, aber meistens mehr zuhöre (und wenig verstehe), wurden wer weiß wie oft schon geführt und finden doch immer wieder statt. Dabei sollte mittlerweile klar sein, dass vor dem 2. Dan der erste kommt und der erst mal geschafft werden will. Und davor steht am Sonntag, 3.9. auch noch die Prüfung zum 1. Kyu. Dann bestehen zwischen den einzelnen Dan-Prüfungen mindestens fünf Monate Wartefrist. Ergo – mit dem 2. Dan sieht es im Moment Essig ist, wenn sich meine Jungs und Mädels nicht noch was überlegen, wie „wir“ den 2. Dan doch noch hinbekommen. Ich selbst bin gerade dabei, diesbezüglich was zu organisieren, aber dazu gibt es erst Neuigkeiten, wenn ich klare Verhältnisse – so oder so – habe. Und letztendlich bringt jede Organisation nichts, wenn ich nicht bestehe. Aber davon redet im Moment keiner..... obwohl ich mir gestern wieder mal das Ohr blutig geschossen habe – selbst schuld, warum versuche ich auch, alle Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten. Die Verständigung auf dem Hof klappt doch mittlerweile einigermaßen, doch sobald ich das Gelände, z.B. in Richtung Dojo verlasse, wird es schnell anders. Sie geben sich ja schon Mühe, aber der Unterschied zwischen sehr schnell und nur schnell ist einfach kaum zu unterscheiden. |
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Und wieder eine grundlegende Änderung des Tagesablaufes Nein, die Drillinge laufen immer noch nicht hier rum. Obwohl, da fällt mir spontan ein Gespräch mit Ushimaru-san auf dem Weg zum Gewächshaus ein: Ich: „Ähm, Ushimaru-san. Kannste mir helfen, ich habe ein kleines Problem.“ Er: „Was denn, wirst Du Vater?“ Die alte Schabracke, die schlechte. Dabei hatte ich nur ein Zeit- und kein Vaterschaftsproblem. Aber eigentlich wollte ich nur berichten, dass seit heute wieder die alten Arbeitszeiten von 8-12 und von 13 – 17 Uhr gelten. Der größte Teil des Sommers ist vorbei und so kehren wir wieder zurück. Zu Beginn der frühen Arbeitstage war es Morgens um 5 Uhr bereits hell. Heute ist es da schon wieder zappenduster und das Aufstehen machte die letzten Tage keinen Spaß. Auch die Abende werden schon wieder merklich kürzer und gegen sieben ist ebenfalls so dunkel, wie im ... aber lassen wir den Vergleich ;-). Die letzten Wochen waren keine Gnade des Himmels, denn jeder Tag hatte mindestens 34 Grad, meistens aber 35, 36 oder 37°C. Selten ein paar Wolken am Himmel und der Wind wehte nur mal kurz, damit es danach noch heißer werden konnte. Gestern und heute fiel nach rund einem Monat wieder ein bisschen, dringend benötigter Regen und die Temperaturen lagen doch tatsächlich unter 30 Grad. Die Aussichten für die kommenden Tage sind aber wieder bei deutlich über 30°C.
Neben dem obligatorischen Negi hat hier die Zeit von Kohl und Salat angefangen. Die ersten Flächen sind bereits mit Kohl bepflanzt und Salat wurde schon ausgesät. Daneben ist es im Moment relativ ruhig, was die Arbeit angeht. Negi können wir nur wenig ernten, Komatsuna ist ebenfalls in nur sehr geringem Umfang was geworden und so bleibt eben bewässern, Gewächshaus aufbauen (wer zur Hölle hat die eigentlich so niedrig geplant???), Flächen für die weitere Pflanzung vorbereiten, Unkraut zupfen und die Reisernte steht ebenfalls ins Haus. |
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Was mich zu ein paar Gedanken über meinen Betrieb bringt Angeblich sind wir ja der größte Betrieb von Kagawa-ken und wenn ich mir zumindest die Betriebe (von außen) anschaue, die um uns rum liegen, stimmt das wohl schon. Doch langsam gewinne ich den Eindruck, dass Größe nicht alles sein kann. Im Gegenteil, manchmal habe ich das Gefühl, wir sind entweder zu groß, um wirklich gute Qualitäten zu produzieren, oder aber wir sind zu wenig Arbeiter, was ich nicht glaube. Nehmen wir als Beispiel Komatsuna. Dieses, dem Spinat sehr ähnliche Gemüse ist angeblich sehr einfach zu produzieren: aussäen, ausreichend gießen und ernten. Und wenn ich mir das Gewächshaus des Nachbarn anschaue, in dem eine schöne Komatsunapflanze neben der anderen steht und mir dann unsere teilweisen Katastrophen anschaue, frage ich mich schon, warum der das kann und wir nicht. Teilweise haben wir Ausfall von 70% und mehr. An der Fruchtfolge kann es nicht liegen, denn bei Komatsuna in Monokultur (hüben wie drüben) gibt es nichts zu folgen. Am Boden auch kaum, denn die Häuser stehen direkt nebeneinander und haben sehr wahrscheinlich den gleichen Boden. Bleibt noch der Faktor Mensch und das Wasser und ich glaube, daran hapert es. Komatsuna will viel und vor allem gleichmäßig Wasser haben. Und wenn er das nicht bekommt, ist er ganz schnell ganz schön tot. Unsere Bewässerungsanlagen sind teilweise in keinem rühmlichen Zustand und da frage ich mich – wäre es nicht sinnvoller, mal ein paar Tage in die Reparatur zu investieren und dann vielleicht wieder verkaufsfähige Ware zu produzieren, oder wollen wir alles weiterhin dem Zufall überlassen und jedes Mal hoffen, dass das Saatgut nicht umsonst ausgesät wurde. Ähnlich verhält es sich beim Negi. Teilweise furchtbar schlechter Zustand der Pflanzen und dann heißt es immer, Negi zu produzieren sei sehr schwer. Aber andere schaffen es, dass ein gleichmäßig schöner Bestand da steht. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Probleme einerseits daher rühren, dass wir zu viele Flächen und Häuser haben, um die wir uns kümmern müssen und dann vielleicht auch daran, dass es bei aller Mühe halt doch nicht das eigene Gemüse ist. Und es fehlt m.E. an einem, der schon seit langem im Gemüsebau tätig ist und das Geschäft aus dem effeff beherrscht. Vom Chef abgesehen, der sich um den Anbau von Gemüse scheinbar nicht kümmert (zumindest sehe ich davon nichts), ist der längste Mitarbeiter gerade mal fünf Jahre hier und wird demnächst gehen. Es geht hier immer so im Fünfjahresrhythmus durch – der Alte geht und ein junger, meist total Unerfahrener kommt und lernt von der Pike auf.
Diese sind bislang nur Gedanken und es kann sein, dass ich total falsch liege und hinter allem doch wesentlich mehr steckt, als ich es beurteilen kann. Aber im direkten Vergleich schneiden wir manchmal, längst nicht immer, halt nicht so gut ab. |
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| 2. September 2006 |
Thema des Tages: Wasser Diesen freien Tag hatte ich mich mit Ukawa-san verabredet. Der erste Weg führte uns zur Kasurabashi, die dieses Mal bei Sonnenschein und wesentlich weniger Wasser im Iyagawa ganz anders aussah. Eine Menge Menschen wateten durch den Fluss, genossen das kühle Wasser an den Beinen und den Ausblick den Iyagawa hinauf und hinunter. Ukawa-san war so müde, dass er sich einfach irgendwo in die Steine legte und vor sich hindöste. Ich bin mir sicher, wären seine Angestellten dabei gewesen, hätte er dies nicht gemacht. Die Zeit seines Mittagnickerchens nutzte ich ausgiebig für ein Fototour durch den Fluss. Dort wo ich heute stand, wäre ich noch vor zwei Wochen schlicht ersoffen. Mindestens 2 m weniger Wasser, dafür schön klar und herrliche Farbkontraste zwischen Bäumen, Wasser und den Steinen. Es wird gesagt, die Kasurabashi wurde von den Heike (sprich „Heeke“) angelegt, als sie sich auf der Flucht vor den Genji vor rund 600 Jahren nach Tokushima zurückzogen. Dort wo heute Autos problemlos hinkommen, war vor wenigen Jahrzehnten noch beinah undurchdringliche Natur und wie es vor 600 Jahren ausgesehen hat, kann man sich vorstellen. Es wird zudem gesagt, die Brücke wurde deshalb nur aus sehr einfachen und leicht vergänglichen Materialen hergestellt, um sie im Falle des Angriffs der Genji schnell zerstören zu können. Wer mal drauf gestanden hat, kann sich diesen Grund gut vorstellen. Wacklige Sache das. Aber nicht umsonst japanweit bekannt.
Nach langen Erläuterungen bekam ich endlich eine Antwort auf meine noch nicht gestellte Frage, wo denn das Wasser / Trinkwasser für Kagawa herkommt. Kagawa ist ja bekanntlich die regenärmste Präfektur Japans, aber Wasser braucht sie in erster Linie für die Landwirtschaft in Mengen. Im Gegensatz zu Kagawa-ken fällt in Tokushima-ken und Kochi-ken ausreichend Regen. Was liegt also näher, als eine Leitung von Tokushima nach Kagawa zu legen? Das Problem ist nur die Bergkette zwischen den beiden Präfekturen. So wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kurzerhand eine Leitung durch die Berge gebohrt. Was sich vielleicht einfach anhört, war ein riesiger Aufwand und 1974 kam dann das erste Wasser aus der Röhre. Heute fließen pro Jahr 250 Mio. Tonnen Wasser jährlich durch die Leitung. Hauptquell dieser Versorgung ist der Yoshinogawa, der nahezu auf der Grenze zwischen Tokushima-ken und Kagawa-ken fließt. An dem fährt man endlos lange entlang, wenn man u.a. zur Kasurabashi will. Ein wirklich fantastisch schöner Fluss, auf dem eine Raftingtour einfach Spaß machen muss. Wasser in Kagawa (in Japan??) wird in zwei Qualitäten unterschieden – einmal Trinkwasserqualität und einmal Wasser, das man für alles andere verwendet (duschen, Toilette, Industrie ....). Das Leitungssystem durch Kagawa ist ein riesen Netzwerk von großen und kleinen Leitungen quer durch alle Lande und selbst eine Leitung entlang der Seto-o-hashi nach Okayama-ken existiert. Interessant wären die Wasserkosten, die in Kagawa bezahlt werden müssen, aber das ist wohl eine Frage für ein anderes Mal.
Abschließend fuhren wir noch zum Manno-ike, dem vielleicht größten, künstlich angelegten See Japans, unweit von Zentsuji entfernt. Einmal im Jahr, am 14. August, wird das Ventil geöffnet und große Wassermengen strömen in das weit verzweigte Kanalnetz Kagawas. Der 14. August deshalb, weil da die Zeit der Reispflanzung gerade vorbei ist und große Wassermengen benötigt werden. Der Manno-ike wurde von Kobo Daishi angelegt, dem „Heiligen“ Kagawas, der vor etwa 1200 Jahren gelebt hat, ein Mönch war und sehr viel Teiche und Tempel angelegt und gegründet hat und dem man hier allenthalben und ständig begegnet.
Ukawa-san gefällt mir immer mehr. Er redet zwar furchtbar schnell und im schönsten, unverständlichen Japanisch, aber ich kann fast immer erkennen, welches das richtige Stichwort ist und schnell nachschlagen. So kommen wir dann auch wieder zueinander. Außerdem kann er ein bisschen Deutsch. Was ihn aber ebenfalls sehr sympathisch macht, ist sein Blick auf die Dinge. Bei aller Hektik, ich habe noch nie jemand so schnell essen gesehen, genießt er doch die Ruhe und als wir vor einem wirklich riesigen, hässlichen und völlig deplazierten Parkhaus in unmittelbarer Nähe zur Kasurabashi standen, wurde er fast sentimental und meinte nur, da, wo früher ein geheimnisumwitterter, fast mystischer Ort war, ist heute nichts mehr. Beton wohin man schaut, Autos noch und nöcher und alles zugepflastert. |
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Bausünden (aus meiner Sicht) Aber das ist (leider) auch das moderne Japan – gebaut, möglichst groß, hässlich und mit sehr viel Beton wird an den unmöglichsten Stellen, die vorher schön und hinterher einfach nur hässlich sind. Eine fette Strasse hingeknallt und vorbei die Tage ungezählter Schönheit. Japan ist dort ein wunderschönes Land, wo die alten Dinge aus vergangenen Tagen und die Natur erhalten sind. Moderne Gebäude (wieso schreibe ich automatisch immer „mordende“?? Freud’scher Versprecher?) und Städte sind meistens eine Qual fürs Auge. In meinen Emails schicke ich meistens „Grüße von der wunderschönen Insel Shikoku, wenn man sich die Städte wegdenkt.“ Dieses Phänomen findet man in fast jedem Land dieser Erde, aber in Japan fällt es mir extrem auf. Würde man wenigstens schön bauen und hinterher Farbe auftragen, wäre es vielleicht etwas besser, aber Beton scheint eine dem japanischen Auge wohlgefällige Farbe zu haben, denn er wird grundsätzlich nicht angestrichen und sieht nach wenigen Jahren aus, als wäre er Jahrzehnte alt. Wohnhäuser im japanischen Stil mit ihren geschwungenen Dächern und den glasierten Dachpfannen und den kleinen, aber meist feinen Gärten davor/daneben sind schön. Moderne Wohnhäuser sind dagegen recht einfach: Holzgerüst (wegen der Erdbebengefahr wird kein Stein verwendet) Platte dran und Deckel drauf. Meistens gottlob nicht nur ein quadratischer Kasten, sondern leicht verwinkelt, aber trotzdem so hässlich, wie die Nacht dunkel ist. Ist das amerikanerischer Einfluss?
Dies sind Betrachtungen eines Ausländers. Wie Japaner dies beurteilen, weiß ich nicht, aber den Reaktionen von Ukawa-san nach zu urteilen, gefällt dies längst nicht jedem hier. Sollten sich Japaner unter meiner Leserschaft befinden, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen. |
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Aber wo wir schon mal bei der Sache sind. Habe ich eigentlich jemals erwähnt, wie schön Shikoku sein kann: Sonnenauf- und -untergänge und überhaupt Also wenn ich hier nicht immer arbeiten müsste, würde ich mir eine Datscha am Meer mieten und nur Sonnenauf- und –untergänge anschauen. Die sind hier einfach ein Farbenspiel der besonderen Sorte. Besonders fantastisch wird es, wenn irgendwo in der Nähe ein Taifun unterwegs ist und viele Wolken am Himmel sind. Wenn dann das orangefarbene Licht der Morgensonne oder die Farbenvielfalt der Abendsonne in diese Wolken hineinleuchtet, will man die Welt um sich herum vergessen. Ich weiß nicht, wie oft ich morgens vom Frühstückstisch aufsprang, die Kamera schnappte und versuchte, diese herrliche Morgenstimmung einzufangen. Es bleiben einem dazu höchstens fünf Minuten, dann ist die Pracht vorbei, aber man startet frohgemut in den Tag. Oder der Abendhimmel – wenn die Sonne hinter den Bergen im Meer versinkt und sich der Himmel von blau über sämtliche Gelb- und Rottöne in Dunkelheit verwandelt, kann man jedes Liebesgedicht verstehen, das von Romantik und Sonnenuntergängen handelt. Oder die Berge am Horizont. Man sieht sie von mir aus recht selten, denn meistens ist es diesig. Aber wenn, dass sieht man eine Bergkette, die sich von Ost nach West zieht, sehr zerfurcht, komplett bewaldet und in allen Grünschattierungen leuchtet, die ein Wald nur haben kann. In den Wäldern stehen haufenweise Ahörner, Kiefern, Lärchen und Bambus rum und wenn sich der Herbst nähert, wird die Blattfärbung ein Schauspiel der Sonderklasse. Oder die unglaubliche Vielfalt an Insekten. Schmetterlinge so groß wie meine Hand in den vielfältigsten Farben tanzen um einen herum und vermitteln irgendwie die Leichtigkeit des Seins. Käfer und anderes Krabbelzeugs wohin das Auge blickt, Spinnen, teilweise fast so groß wie die Schmetterlinge, in kunstvollen Netzen in der Morgensonne, Kraniche und Ibise an den Flüssen und in den Reisfeldern. Oder der Blick bei klarem Wetter auf die vielen Inseln der Seto-nai-kai, der Inlandsee zwischen Shikoku und Honshu. Kleines wie Großes kann hier wunderschön, herrlich skurril oder einfach nur eine Augenweide sein. Mich wundert nicht, dass viele sagen, Shikoku sei der schönste Landstrich Japans. |
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| 3. September 2006 |
JA!!!!!!! Wenn das nicht mal wieder Japan war! Prüfungstag im Marugame Budokan. Ich morgens nach gemütlichem Frühstück samt Bogen und Pfeilen nach Marugame gefahren und erst mal die Situation in mich aufgesogen. Eigentlich kennt man ja alles, aber ein Prüfungstag verändert die Situation doch gewaltig. Das Wetter zeigte sich mit Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und leichtem Wind von seiner besten Seite, die Halle war gerammelt voll mit unendlich vielen Prüflingen und ich dazwischen. Oder besser darüber, denn ich war zwar nicht ganz der Älteste, aber mal wieder mit Abstand der Größte. Der Einstand in den Tag war mit einer Standpauke dann auch gleich standesgemäß. Stand ich doch so rum, als auf einmal so ein kleiner Japaner mittleren Alters vor mir auftaucht und mich auf Japanisch anspricht. Ihm war recht schnell klar, dass das nix wird und so zückte er sein richtig gutes Englisch, verkündete, dass er meinen Prüfungsbogen lesen und bewerten werde und weil er das das letzte Mal in Takamatsu auch schon getan hatte, soll ich doch bitte wesentlich deutlicher schreiben. Meine Handschrift sei nur schwer zu entziffern gewesen. Sprach’s und war weg. Das konnte ja heiter werden.
Wurde es auch, denn kaum war ich wieder draußen, kam Sakai-sensei auf mich zu, begrüßte mich herzlich und meinte lapidar – Mitte Oktober ist Dan-Prüfung, alles klar? Gambatte kudasai. Ja hallo, ich hatte noch nicht mal mit der heutigen Prüfung begonnen, da wurde schon über die nächste gesprochen. Klasse Ausgangsposition. Das Leiden begann schließlich, als die Namen mit den Nummern aufgehängt wurden. Da beginnt dann die große Frage, wer auf welcher Position schießt. Für alle Nichtkyudoka: in einer Prüfung wird in einer Fünfergruppe geschossen. Nummer zwei bis fünf sind recht angenehm. Der erste in der Gruppe – omei – ist aber der Taktgeber und wenn der nix taugt, ist die ganze Gruppe gestört. Also will niemand omei sein. Doch wo befand sich meinereiner? Erstmal auf der ersten Position. Aber da nicht alle auftauchen, die sich gemeldet haben, wird ein Name nach dem anderen gestrichen und die Positionen verändern sich laufend. Ein herrliches Schauspiel, wenn die Jungs und Mädels (kaum jemand war älter als 18) mitleiden, mitfiebern, zum wiederholten Male nachzählen, wo sie stehen. Auch ich konnte mich diesem Spiel nicht entziehen, sah es doch bis kurz vor der Prüfung so aus, dass ich doch auf Nummer zwei schießen durfte. Aber denkste – letztendlich war ich doch omei und da ging das Herzflattern erst richtig los.
Doch was wäre Japan ohne seine Hilfsbereitschaft? Yamada-san war mal wieder an Ort und Stelle und versorgte mich bis zur wahrlich letzten Sekunde, als ich schon das Dojo betrat mit Informationen, was ich wann wie zu tun habe. So doof kann man gar nicht sein, um dann noch Fehler zu machen. Nur schießen musste ich noch alleine. Das Dojo in Marugame ist ein recht kleines und derjenige auf der omei-Position steht gerade mal einen Meter vor den sitzenden Prüfern. Hinterher führte es noch zu einigem Gelächter, denn die Prüfer mussten sich den Hals fast verrenken, um mich in Gänze überblicken zu können. Was auch nicht weiter schlimm wäre, wenn ich nicht ständig aufpassen müsste, dass ich mit der oberen Bogenspitze kein Bild von der Wand reiße. Würde ich meinen herkömmlichen Stil schießen, wäre Bruch und Schrott garantiert. So sah das alles ein bisschen verkümmert aus, aber die Situation erforderte dies eben. Vom eigentlichen Schießen ist mir nichts mehr in Erinnerung geblieben. Ich war so aufgeregt und stand fast neben mir. Ich weiß nur noch, dass ich etwas zu schnell war und doch beide Pfeile ihr Ziel erreichten. Mit schweißnassen Händen und einem zufriedenen Grinsen machte ich mich dann wieder vom Acker. Der erste Teil war geschafft. Nach der Mittagspause stand der theoretische Teil an, in dem die gleichen Fragen wie in Takamatsu gestellt wurden.
Und dann hieß es wieder warten. Währenddessen liefen die Dan-Prüfungen, die ich mir in Ruhe anschaute. Schon spannend, wer so alles Dan-Prüfung machen will........
Was bleibt – egal was ich getan habe, es wurde von sehr vielen Augen beobachtet. Normalerweise macht mir das nichts mehr aus, aber heute war dies mal wieder sehr auffällig. Die Hilfsbereitschaft mir gegenüber ist fantastisch. Es ist nahezu alles organisiert und ich muss „nur“ noch schießen. Das ist einerseits toll, andererseits verpflichtet es auch zum Erfolg, denn ein Nichtbestehen würde die Mühe in mich nicht rechtfertigen. Zwickmühle nennt man das wohl. Nach der Prüfung kam ich mit einigen Leuten ins Gespräch und prompt kam Sakai-sensei wieder vorbei. „Haste denn am 17. September schon was vor?“ „Nein, noch nicht“ „Gut, dann fährst Du mit mir und Iwane-san zum Entekiturnier. Ich melde Dich an. OK? Sonntag halb neun vor dem Budokan.“ Ich glaub, mich knutscht ein Elch – in meinem Leben noch nie habe ich Enteki (60 m Distanz) geschossen und das dann gleich auf einem Turnier mit meinem Lehrer. Und so selbstverständlich. Klar freue ich mich darüber, wie ein kleines Kind, nur was dabei rauskommen wird....
Das Ende von ganzen Lied war wie in Takamatsu vor den Ergebnissen. Wieder hingen die Namensschilder an der Wand und jeder Namen mit rotem Kringel hatte bestanden. Ich hatte auch einen roten Kringel!! Was heißt, in eineinhalb Monaten stehe ich wieder in Marugame und versuche meinen ersten Dan. Wer hätte das gedacht, dass das so schnell gehen würde. Hochspannend sind auch hier wieder Freud und Leid zu beobachten, denn die Prüfer in Kagawa sind wirklich nicht ohne. Bereits bei den unteren Graden sind nicht wenige durchgefallen und auch bei mir und darüber (v.a. 1. Dan) sind doch einige durchgerauscht. Schön fand ich, dass die jeweils eine geprüfte Dame für den dritten und den vierten Dan beide bestanden haben. Vor allem die 4.Dan Dame hat sich sehr gefreut und gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Wobei ich sagen muss, dass sie diese Prüfung m.E. mit Bravour bestanden hat, denn sie schoss eine wirklich saubere Zeremonie mit zwei Treffern. Tolle Leistung. Und letztendlich hat mir Sakai-sensei alle ihre Schüler ihrer Schule in Sakaide vorgestellt. Das gab ein großes Gelächter und die eine oder andere werde ich wohl im Oktober wieder sehen. Irgendwie bin ich schon manchmal ein Herzeigeobjekt. Und hinterher packte sie mir den Fahrradkorb noch mit reifen Feigen voll, was hieß, dass ich die unterwegs essen musste, sonst wären sie mir durch den Korb gefallen. In der einen Hand also Lenker, Bremse, Bogen und Pfeile und in der anderen eine super leckere, aber sehr weiche Feige. Und das alles zusammen froh gelaunt auf dem Weg in Richtung Zentsuji. |
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Gewinnspiel Teil 3 Dieses Mal gibt es ein Ratespiel. Und zwar bekommt derjenige eine handgeschriebene und handsignierte Karte von mir aus Japan, der mit seiner Schätzung am nächsten an der tatsächlichen Zahl liegt oder sie sogar genau trifft. Wie viele Schützen hatten sich am 3. September zur Prüfung im Marugame Budokan angemeldet? Einsendeschluss ist wie gehabt, wenn ich meine, dass es reicht. Also seid kreativ, denkt ein bisschen nach, hört auf das Gefühl im Bauch, pendelt die Zahl aus, fragt den Würfel oder den oder die Liebste und ran an die Email. Bin gespannt, wer dieses Mal die Karte bekommt. Und wenn ich „derjenige“ schreibe sind natürlich selbstverständlich auch alle meine weiblichen Fans gemeint. Aber das „der/die“ Geschreibsel finde ich lästig. |
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| 5. September 2006 |
Alles relativ 8 – 12 Tage soll ein Paket oder Päckchen von Deutschland nach Japan brauchen. So sind zumindest die Angaben der Deutschen Post. Aber da Zeit ein sehr dehnbarer Begriff ist, dauern 12 Tage auch schon mal gerne sieben!! Wochen. So lange hat ein Päckchen für mich hierher gebraucht. Allerdings war ein anderes bereits nach acht Tagen da. Kollege Stefan hat sage und schreibe acht Wochen auf ein Paket gewartet und ein Brief von ihm nach Deutschland war ähnlich lange unterwegs. Was lernen wir daraus? Wenn es dringend ist – mindestens acht Wochen vorher abschicken, damit der Bote im Ruderboot genügend Zeit hat, durch Sibirien zu laufen. |
| 6. September 2006 |
Ganz Japan ist glücklich Denn heute wurde dem Land endlich nach 40 langen Jahren der ersehnte Thronfolger geboren. Die älteste Monarchie der Welt kann nur durch einen Sohn fortgesetzt werden, aber seit lange Zeit wurden eben „nur“ Mädchen geboren. Dies führte sogar dazu, dass bereits im japanischen Parlament über die Möglichkeit diskutiert wurde, ob nicht doch auf Frauen auf dem Chrysantementhron sitzen können. Darüber wurde sehr heiß diskutiert, aber mit Bekanntgabe der Schwangerschaft auch sofort unterbrochen. Die Nachricht war, wenn man sich die Bilder im Fernsehen vor Augen hält, eine wundervolle Nachricht für die Japaner. Tanzende uns singende Menschen allüberall, riesige Glückwunschplakate, große Menschenansammlungen und tagelang immer wieder die gleichen Bilder, wie die Prinzessin im Wagen ins Krankenhaus fährt. Sämtliche Nachrichtensender unterbrachen ihr Programm für Sondersendungen, die großen Tageszeitungen verteilten haufenweise Extrablätter und ich saß just zum Zeitpunkt der Verkündigung mit Ujike-san im Auto. Plötzlich griff er hektisch zum Radio, drehte lauter und ich konnte einen Bruchteil verstehen und den Rest hinzudichten. Man hat gesehen, dass er sich richtig über diese Nachricht gefreut hat. Eigentlich tut mir das Kind heute schon leid, denn „normal“ aufwachsen wird es nicht können. Es lastet ein sehr hoher Druck auf ihm und dabei ist er noch nicht mal aus dem Gröbsten raus. Hoffen wir, dass alles gut wird und wir bei seiner Thronbesteigung dabei sind. Der Druck, der auf den Prinzessinnen lastete, einen Sohn zu gebären, führte allerdings auch dazu, dass eine der Damen unter diesem Druck schlicht zusammenbrach und heute psychisch krank ist. Im Falle dieser Geburt wird zudem gemunkelt, die Hilfe der Ärzte sei im Spiel gewesen, was aber natürlich von Seiten der Monarchenfamilie dementiert wird. |
| 8. September 2006 |
JA!!!! JA!!!!! Ein Traum wird wahr!!!! Wie lange habe ich diesen Traum schon gegträumt, wie oft habe ich befürchtet, dass er in die Binsen geht, wie sehnsüchtig habe ich auf die Antwort vom JAEC gewartet und heute kam sie endlich – ich kann bis Ende April 2007 in Japan bleiben!! Warum das so toll ist? Ganz einfach, vom 7.-15. April findet in Tokyo die erste offizielle Veranstaltung der neuen Internationalen Kyudoföderation (IKYF) statt. April liegt aber dummerweise außerhalb meiner Praktikantenzeit und deshalb habe ich vor drei Wochen, sofort mit Bekanntgabe der Daten des Seminars, Verlängerung beantragt. Das Problem ist das Visa. Wenn das nicht verlängert wird, muss ich ausreisen. Aber Adachi-san hat sich bemüht und mir eine Sondergenehmigung ausgestellt. Und die würde auch nur für mich gelten und weil ich mich so gut in Japan einfüge und weil mein Anliegen doch ein gutes sei und überhaupt und sowieso. Das hat er sicher auch deswegen gesagt, damit morgen nicht vier weitere Emails mit Verlängerungswünschen auf seinem Tisch liegen. So wie ich ihn und die Kollegen vom JAEC einschätze, haben sie sich das sehr gut überlegt und nicht unbedingt gerne getan. Aber meine Argumente waren wohl stichhaltig ;-) Von Seiten des DBV war das gar kein Problem. Da kam sofort eine positive Antwort. Nur auf den JAEC musste ich drei Wochen warten Von diesem Seminar habe ich schon lange vor dieser Japanreise gewusst, aber ich wusste auch, dass es, wenn überhaupt, nur sehr knapp noch in meiner Zeit hier liegen würde. Was habe ich gefiebert und wie oft habe ich geschaut, ob nicht endlich die Daten veröffentlicht wurden. Und dann das – Mitte April. Aber jetzt scheint wieder die Sonne.
Das heißt zwar noch lange nicht, dass alles in trockenen Tüchern ist, aber der wichtigste Teil ist geschafft. Jetzt muss „nur“ noch der Rückflug, die Anmeldung, die Unterbringung bis dahin und natürlich der Papierkram für das Visa organisiert werden. Denn eine Verlängerung beantragen muss ich selber. Aber da das OK da ist, sollte das nicht allzu schwer werden ... hoffentlich.
Das heißt aber auch, dass ich erst Ende April wieder nach Deutschland zurückkehre. Es wird Tage in den nächsten Monaten geben, da werde ich mich für diese Entscheidung verfluchen, das weiß ich heute schon. Da würde ich am liebsten sofort nach Hause fliegen. Und wenn dann die Kollegen am 16. März nach Deutschland fliegen, wird das sicher ganz hart. Aber, um mal ein Sprichwort etwas abzuwandeln – wer’s schön haben will, muss leiden.
Mal sehen, was Cheffe dazu sagt, denn am liebsten würde ich hier in Zentsuji bleiben und weiter arbeiten. Dann wäre Geld, Wohnung und Trainingsmöglichkeit gelöst und zudem, wo soll ich drei Wochen in Japan ohne Geld rumhängen? Ushimaru-san weiß von dem Projekt, aber Cheffe ... dummerweise zischt der heute mal wieder für eine Woche nach China ab. Wir werden sehen. |
| wegen der Übersichtlichkeit geht es ab jetzt im 7. Teil des Tagebuchs weiter. |