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 Liebe Freunde und Besucher, herzlich Willkommen im

Tagebuch einer Japanreise - Teil 5

Auf diesen Seiten möchte ich Euch einen Eindruck von meinem Japanaufenthalt

in Zentsuji vom 10. April 2006 bis 16. März 2007 vermitteln.

 

 

24. Juli 2006

Wetterkapriolen

Mir scheint, irgendjemand hat den hiesigen Wettergott erzürnt. Es regnet, was die Schleusen hergeben, nur hin und wieder mal kurz unterbrochen. Die letzte Woche hat vielleicht ein- oder zweimal ganz kurz die Sonne geschienen, ansonsten war es nur wolkig und grau in grau.

Dabei kommen wir hier in Kagawa-ken noch gut weg. In den Nachrichten sind die Topmeldungen derzeit die großen Regenmengen, vor allem auf Kyushu. In Kagoshima-ken, der südlichsten Spitze von Kyushu sind vom 18. bis zum 24. Juli (morgens) 1200 mm Niederschlag gefallen!!! Die Bilder sind dementsprechend verheerend. Ganze Landstriche unter Wasser, fortgeschwemmte Häuser, vermisste Menschen, Zerstörung allüberall. Und ich fahre heute für drei Tage nach Kyushu...

 

Der viele Regen macht uns natürlich in der Landwirtschaft auch Probleme. Zwar müssen die kleinen Negisetzlinge nicht extra angegossen werden, aber Lauch mag keine nassen Füße und trotz dass hier alles in Dammkulturen angebaut wird, steht das Wasser meist bis Oberkante Damm, wenn es regnet. Das Wasser ist zwar recht schnell wieder abgelaufen, aber die Dämme sind halt nass und so sind die Ausfälle nicht unerheblich. Außerdem gammelt der negi zum Teil auf dem Stengel.

Und am Rande sei noch erwähnt, dass es schon eine interessante Erfahrung ist, wenn man mit den Knien im Schlamm versinkt, komplett in seiner Regenkleidung verschwindet und um einen rum die Welt versinkt. Da hat man Zeit zum Nachdenken.

Wenn ich mir dagegen überlege, dass es in Deutschland seit Wochen, außer ein paar schweren Gewittern, nicht mehr geregnet hat und die Temperaturen bei 30 Grad aufwärts liegen.... Bei uns liegen die so zwischen 25 und 30 Grad.

 

Letztes Jahr war es dagegen genau umgekehrt. Da hat es schon von März bis Mai nicht geregnet und auf meinem Betrieb konnte kein negi geerntet werden, weil alle Setzlinge abgestorben sind. Bei den Mengen, die wir hier ernten, müssen das sicherlich einige Hektar gewesen sein. Ich will nicht wissen, wie hoch die Einnahmeausfälle waren. Für dieses Jahr wurden extra neue, leistungsfähige Pumpen angeschafft, um einer weiteren Dürre entgegenhalten zu können, aber das ist dieses Jahr wohl nicht notwendig.

24. bis 26. Juli 2006

Kyushu - ein Reisebericht

Das war sie also, die Reise, von der ich vorher nicht wusste, was sie bringen würde. Die einzige Androhung war „da gibt’s morgens schon Bier“. Aber wollen wir vorne beginnen...

Kyushu ist die südlichste der vier großen Hauptinseln Japans. Der Name leitet sich ursprünglich von neun (kyu) Provinzen (shu) ab, die es mal gegeben hat. Mittlerweile ist Kyushu in sieben Präfekturen aufgeteilt. Allen Nichtjapanern dürfte vielleicht Nagasaki bekannt sein. Die Stadt ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur und auf sie wurde nach Hiroshima die zweite Atombombe abgeworfen. Ansonsten ist vielleicht für Film- bzw. Animefans noch interessant, dass die Geschichte von „Mononoke Hime“ in Kagoshima-ken angesiedelt ist, der südlichsten Präfektur auf Kyushu.

Es sei mir verziehen, dass ich diesen Bericht etwa ausführlicher gestalte, aber ich möchte versuchen, einen Einblick in einen Teil der japanischen Kultur zu geben und dafür sind manchmal etwas weitschweifige Erklärungen notwendig.

 

Zur Sache – Montag morgen war Treffpunkt im Bahnhof Zentsuji, bei dem sich dann insgesamt 18 Reiseteilnehmer (3 Frauen und 15 Männer) sowie die Reiseleiterin einfanden. Immerhin kannte ich vier der Anwesenden.

Die Zugfahrt nach Fukuoka bzw. Hakata erfolge von Okayama aus mit dem Shinkansen. Was soll man zu diesem berühmten Zug sagen – er ist schnell, keine Frage aber schön reisen ist was anderes. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir mindestens ein Drittel des Weges im Tunnel verbrachten und der Rest des Weges ist von Lärmschutzwänden gesäumt, so dass man, wenn überhaupt, nur die obere Hälfte der Landschaft zu sehen bekommt. Außerdem ist er sehr spärlich eingerichtet und eher auf die Platzbedürfnisse der Japaner zugeschnitten.

Wie in Japan üblich, kam der erste Schock direkt mit dem Aussteigen, denn der Zug hatte eine angenehme Innentemperatur und draußen herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit und mind. 33 Grad.

Der zweite Schock überkam mich, als wir in einen solch schönen Reisebus mit einer zugegebenermaßen nicht unhübschen Reiseleitung einstiegen. Erinnerungen an die Quasselstrippe aus Hiroshima wurden wach. Sie legte denn auch sofort los, aber im Gegensatz zu Hiroshima sprach sie normal schnelles Japanisch und da kann ich mittlerweile wunderbar abschalten. Soll sie doch erzählen, was sie will. Irgendeiner wird mir hinterher schon sagen, was Sache ist.

Das Mittagessen sollte der Auftakt zu einer regelrechten Sashimiorgie werden, wie sich noch herausstellen sollte. Aber selbstverständlich war es lecker und wie immer herrlich angerichtet. Außer zum Frühstück wird eigentlich immer Bier zum Essen getrunken und so war dieses Mittagessen denn auch der Einstieg in den (teilweisen) Ausstieg.

Kewpie

Auf das Mittagessen folgte der erste Programmpunkt, die Besichtigung von Kewpie in Tosu-shi, Saga-ken, einer Fabrik, die Mayonnaise herstellt. Wir, d.h. JA Kagawa, liefern (s.o.) Kohl und Salat an Mitsubishi. Mitsubishi (die Lebensmittelsparte, die nix mit Autos zu tun hat) wiederum ist mit Kewpie eng verbandelt. So stellen sie z.B. gemeinsam Dressing und Würzsaucen, aber auch Mixsalate in Tüten her, in die unser Kohl verarbeitet wird. So schließt sich also der Kreis, wobei unser Kohl nicht nach Fukuoka, sondern tatsächlich nach Osaka geliefert wird. Es existieren mehrere Produktionsstätten.

Ich habe mir den Vortrag der Dame natürlich angehört, verstanden allerdings nix. Mit ein bisschen Phantasie und den Unterlagen konnte ich mir aber doch das eine oder andere zusammenreimen. Im Anschluss wurden noch die Eieraufschlagmaschinen begutachtet – und lieber ernte ich tagelang ausschließlich negi als auch nur einen Tag an solcher einer Maschine zu stehen. Furchtbare Arbeit muss das sein, wenn sich das Ding ständig mit einer Höllengeschwindigkeit im Kreis dreht. Pro Tag werden insgesamt 1 Mio. Eier verarbeitet.

Nach Kewpie wurde dann auch das Kühlfach im Bus geöffnet und hervor kam – Bier. Aber zum Glück auch Oolong-cha (kalter Tee), an dem u.a. ich mich gütlich tat.

Ureshino

Nach Kewpie ging die Fahrt im westlichen Kyushu weiter in Richtung Süden nach Ureshino, berühmt für seinen Tee (o-cha) und seine Onsen.

Während aller Fahrten konnte ich immer wieder die Terrassenfelder bewundern, die in den z. T. wirklich steilen Berghängen angelegt wurden. Alles ist derzeit mit Reis bepflanzt und bei der „Größe“ der Felder kann ich mir eigentlich nur eine Ernte von Hand vorstellen. Leider bestand keine Gelegenheit zu fotografieren und so blieb es bei ein paar Schnappschüssen aus dem Bus.

In Ureshino bezogen wir ein ryokan – die traditionelle Form eines japanischen Hotels. Im ryokan sind die Zimmer nach trad. jap. Stil eingerichtet, d.h. der Boden ist mit tatami-Matten ausgelegt, es gibt eine Tokonoma (spezielle Nische mit spez. Deko) und geschlafen wird auf Futonmatten auf dem Boden. Wir waren zu dritt im Zimmer und kurz nach dem Bezug kam eine Dame im kimono und servierte Tee.

Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten die meisten mit einer ausgiebigen Reinigung im onsen im 10 Stock des Hauses. Leute, ich kann Euch sagen, das hat schon was, wenn man wohlig entspannt draußen im heißen Wasser sitzt und über die Landschaft blicken kann. Entspannung pur. Onsen, das ist ungefähr so japanisch wie sushi.

Was dann folgte, war ein Abendessen der besonderen, d.h. japanischen Art. Es gab sashimi, wiederum herrlich angerichtet mit einer Vielzahl verschiedenster Happen und Häppchen. Die Tische waren hufeisenförmig angeordnet und selbstverständlich saßen alle auf den tatami-Matten. Stühle gibt es keine. Bedient wurden wir von in schönen kimonos gekleideten Damen. Ein sashimi-Essen fängt normalerweise damit an, dass vor einem auf dem Tisch ein Gedeck mit verschiedenem rohen Fischfleisch steht, wunderbar angerichtet, daneben verschiedene kleine Tellerchen mit allerhand Gemüse, Meeresfrüchten und was weiß ich. Im Laufe des Essens werden die leeren Teller umgehend abgeräumt und es werden weitere Leckereien serviert. Das zieht sich den ganzen Abend hin. Da die meisten Speisen eh kalt sind, kann man sich getrost Zeit lassen und sich mit allen möglichen Leuten unterhalten und, natürlich, kräftig dem Alkohol zusprechen. Die erste Runde bestand aus Pflaumenwein und dann konnte jeder bestellen, was er wollte. Üblicherweise wandert man dabei einmal quer durch die Getränkekarte, wobein vor allem shoju (ein jap. Schnaps), sake, Bier und Whisky getrunken wird. Während man dann so sitzt, sich unterhält, trinkt und isst, kommt immer mal wieder einer mit einer kleinen (Porzellan-)Flasche Sake vorbei und bietet Dir einen Becher (guter Schluck) an. Diesen nicht anzunehmen käme sicherlich einer Beleidigung gleich und so trinkt man selbstverständlich. Hat man getrunken, bietet man im Gegenzug seinem Gegenüber ebenfalls einen Becher an. Das Trinken aus demselben Becher ist ein Zeichen von Freundschaft. Wenn man sich noch nicht kennt, stellt man sich auch vor und, wie in meinem Fall, vergisst die Namen sofort wieder.

Ist der Abend dann schon etwas fortgeschritten und die Gäste lustig und fröhlich, bekommt man Damenbesuch. Diese Frauen sollen dazu beitragen, den Abend noch etwas fröhlicher zu gestalten, sie animieren zu allerhand Spielchen und Späßchen, verleiten Dich zum Karaoke und sollen einfach für eine angenehme Stimmung sorgen. Sicherlich jedem sind „geishas“ bekannt, die Damen mit den weiß geschminkten Gesichtern, den kunstvollen Frisuren und den herrlichen kimonos. Deren ureigenster Beruf ist es, Gesellschaften, die häufig, aber nicht immer, aus Männern bestehen, zu unterhalten und eben für eine gute Stimmung zu Sorgen. Das hat nichts mit Sex zu tun!! Eine klassische geisha ist i.d.R. eine gebildete Frau, die sich in jahrelanger, harter Ausbildung zu dem gemacht hat, was sie heute ist und das hat nichts mit käuflicher Liebe zu tun. Prostitution gibt es natürlich in Japan auch, aber das ist ein anderes Feld.

Unsere Damen waren aber natürlich keine geishas, das kann man sich gar nicht leisten und es bestehen sicherlich Welten zwischen beiden, sondern einfach nette junge Damen.

Ich will nicht alle Details des wirklich lustigen Abends berichten, aber in bester Erinnerung ist mir unsere Reiseleiterin, die dermaßen in Fahrt war, dass sie allein den ganzen Laden unterhalten hat.

„Unglücklicherweise“ war eine der mitgereisten Frauen eine Karaokefreundin von obaasan und die wusste natürlich von meinen „Kenntnissen“ des jap. Liedgutes. Ich konnte mich denn auch wehren, wie ich wollte, aber den „Argumenten“ der versammelten Damenmannschaft hatte ich nichts entgegenzusetzen und so gab ich dann meine Version des allseits bekannten Schlagers „上を向いて歩こう“ (ue o muite, arukou) zum besten, sowie eine Version von „yesterday“. Was haben wir gelacht.

Doch der Abend wäre kein japanischer, wenn er nach dem Essen schon vorbei gewesen wäre. Denn nun zogen die Männer los. Was die Frauen derweil machten, kann ich nicht sagen. Im hauseigenen „Club Rouge“ fanden sich dann auch alle Männer wieder ein und setzten den angefangenen Abend ohne Unterbrechung fort. Der Unterschied zum Abendessen lag aber darin, dass wir uns in weiche Sessel lümmelten, dämmriges Licht die Szenerie beleuchtete und eine Vielzahl an jungen hübschen Damen anwesend waren, die sich eingehend um uns kümmerten. Das Verhältnis Männer : Frauen lag jetzt fast schon bei 1 : 1.

In diesen Clubs geht es im Grunde wiederum darum, eine nette Zeit in angenehmer Gesellschaft zu verbringen. Die Animierdamen sind, dem Männerpublikum entsprechend, in sehr figurbetonte Kleider gehüllt, wobei nie die Grenze zur Schicklichkeit, die in Japan bei weitem höher liegt, als in Deutschland, überschritten wird. Es wird auch hier kein Sex, höchstens die Andeutung desselben, verkauft. Lässt man sich darauf ein, kann es ein gelungener Abend werden, aber man muss halt damit leben, dass die Damen letztendlich nur einen Job machen und indirekt dadurch bezahlt werden, dass die Männer saufen bis zum Umfallen.

Zwischendurch machten wir, d.h. noch vier Leute, auf die Suche nach einer anderen, ebenfalls recht unterhaltsamen Örtlichkeit, aber nachdem wir die Strassen erkundet hatten, blieben wir doch wieder beim „Club Rouge“ hängen.

Der Abend hatte natürlich seinen Reiz, aber er wäre für mich sehr schnell langweilig geworden, wenn da nicht eine Rumänin (fragt mich bitte nicht, wie die nach Kyushu gekommen ist) gewesen wäre, die gut Englisch sprach und so auch mir eine Unterhaltung ermöglichte.

Wann die Nacht letztendlich endete, wissen vielleicht noch die Götter, ich nicht.

 

Das erwartete Morgen“grauen“ war wesentlich angenehmer, als befürchtet und weil um halb sechs Morgens noch wirklich alles schläft, zog es mich schnurstracks wieder ins onsen. Das war mit das höchste der Gefühle – morgens allein im 10. Stock sich in aller Ruhe der Entspannung hingeben, minutenlang sich einseifen, waschen, einseifen, waschen, einseifen, waschen (das macht man im onsen, bevor man ins Wasser steigt, denn die Reinigung erfolgt außerhalb der Wasserbecken!) und dann raus ins Außenbecken. Draußen meinte der örtliche Wettergott, es kräftig regnen lassen zu müssen, aber wenn man bis zum Hals im heißen Wasser sitzt, ist der kalte Guss von oben geradezu ein Genuss. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich die restliche Zeit der Reise hier verbringen können.

 

Shimabara

Doch auch nach diesem Morgen ging die Fahrt weiter in Richtung Süden. Der vorangegangene Abend hatte doch bei einigen deutliche Spuren hinterlassen und der eine oder die andere hing schwer in den Seilen (gell, Cheffe? gell, Frau Reiseleiterin?) und suchte sein Heil im Schlaf.

Weiter ging es auf die Insel „Shimabara“. Eine relativ kleine Insel, die sehr stark bewaldet und hügelig ist. Mit dem Motorrad muss ein Genuss sein, die kurvigen Strassen zu erklimmen, im Bus war ich nur froh, dass ich am Vorabend rechtzeitig den Absprung geschafft hatte. Nach unzähligen Kurven kamen wir nach „Unzen“ mit seinen onsen. Unzen ist dafür berühmt, dass kochendes Wasser direkt aus der Erde austritt und auf einer relativ großen Fläche kocht und sprudelt es, wie in einem Hexenkessel. Man kann auf befestigten Pfaden die Quellen durchlaufen und mit ein bisschen mehr Zeit könnte man da sicherlich wunderbare Fotos schießen. Aber auch mit der relativ kurzen Zeit ist Unzen-onsen eine beeindruckende Sache.

Aber wie es in der Natur der Sache liegt, müssen die Kurven, die den Berg hinaufführen, auch wieder hinunterführen und so fuhr unser Busfahrer sein Gefährt mit herzerfrischendem Schwung wieder ans Meer, Richtung Mittagessen.

Es gab, na was wohl, sashimi. Die Örtlichkeit war eher eine Massenabfertigung, aber ok. Derweil ich noch in der Betrachtung des Essens versunken war, kam unsere Reiseleitung und meinte nur „fugu“. „Fugu“ dürfte dem einen oder anderen vielleicht bekannt sein. Sicherlich kennen aber alle die deutsche Bezeichnung für diesen Fisch – Kugelfisch. Bekannt dafür, dass er bei falscher Zubereitung in kürzester Zeit absolut tödlich ist. Da hilft kein Gegengift, sondern nur noch mit Anstand sterben. Aber der Fisch war ausgesprochen lecker, das Fleisch erinnerte von der Konsistenz (nicht vom Geschmack) eher an Hühnchen, denn an Fisch. Bier gab es natürlich auch, aber man bemerkte doch deutlich die Zurückhaltung.....

Unten im Souvenirshop konnte man sich anschließend ausreichend mit fugu und sonstigem Fischzeugs eindecken, so man denn wollte.

Draußen herrschten mittlerweile 37 Grad und der klimatisierte Bus war eine Wohltat. Die folgende Fahrt wieder zurück nach Fukuoka war denn auch eher langweilig. Zwischendurch goss es wie aus Eimern und jeder versuchte, den entgangenen Schlaf nachzuholen.

Und es ist schon erstaunlich, wie man sich daran gewöhnen kann, in einem japanischen Bus zu schlafen. Die Beine irgendwo hinter den Ohren, die Knie im Gesicht und alles recht eng.

 

Fukuoka

Back in town ging es dieses Mal in ein klassisches Hotel und danach trennte sich die Gruppe. Sechs Leute schauten sich ein Baseballspiel der 1. Liga an und der Rest ging zum Abendessen.

Ich hatte ja gehofft, das Baseballspiel sehen zu dürfen, aber dem war nicht so und so galt es, die doch etwas enttäuschte Miene zu verbergen und gespannt auf den restlichen Abend zu warten.

Das Abendessen wurde in wiederum in einem sehr japanischen Restaurant eingenommen und es gab – sashimi. Alle saßen wieder fröhlich beieinander und verspeisten die von elegant gekleideten Damen servierten Speisen. Für mich waren wieder einmal unbekannte Speisen dabei, aber mein Chef konnte doch beim einen oder anderen mit einer Erklärung aushelfen. Eine der Beilagen war „ika-shiokara“, angeblich super lecker, aber nach mittlerweile dreimaligem Probieren kann ich mit Sicherheit sagen, dass mir das nicht schmeckt. Cheffe hat meine Portion aber gerne gegessen.

Der Höhepunkt des Abendessens war „ika-ikezukuri“. Ika ist Tintenfisch und wird in Japan wirklich tonnenweise verspeist. Ikezukuri ist eine, sagen wir mal ungewöhnliche Spezialität. Dem Japaner als solchem geht nichts über Frische bei Lebensmitteln. Jetzt ist es aber so, dass ein toter Fisch ja schon eine gewisse Zeit tot ist. Wie erreicht man also absolute Frische? Ganz einfach, man serviert den Fisch lebend. Was dann heißt, da liegt ein Tintenfisch auf der Platte, um ihn herum schön drapiert sein eigenes Fleisch, in seinen Adern kann man das Blut pulsieren sehen und als Beweis, dass er noch lebt, wird beim servieren Zitronensaft auf seine Fangarme gespritzt. Das mag er nämlich nicht und zuckt so kräftig mit den seinen Ärmchen.

Auch hier gilt es, sich nichts anmerken zu lassen und das ganze interessiert zu beobachten. Was soll es auch bringen, vor Ekel aufzuspringen und die Gesellschaft fluchtartig zu verlassen. Der Fisch wird davon nicht wieder lebendig und die Japaner haben einen Grund mehr, dass Ausländer komisch sind. Nimmt man das Ganze aber gelassen hin, wird man ein kleines Stückchen mehr Japaner.

Das ändert aber gar nix an der Tatsache, dass ich Tintenfisch eigentlich nicht so mag. Ich hab natürlich davon gegessen, aber den Großteil habe ich meinem Gegenüber überlassen. Ist einfach nicht mein Fisch. In diesem Restaurant wurde weder gesungen, noch sich feucht-fröhlich amüsiert. Es war einfach ein Abendessen in einem Restaurant.

Aber was macht man mit einem angebrochenen Abend? Man zieht wieder um die Häuser. Erst alle gemeinsam, aber als sich keine wirkliche Örtlichkeit finden wollte, zogen wir „Jungen“ (vier Männer bis max. 35) getrennt los. Ein Viertel von Fukuoka („Nakasu“) kann man getrost als Freudenviertel bezeichnen. Brav wie ich bin, überließ ich die Gestaltung des Abends den Japanern und trottete gemächlich hinter ihnen drein. Der erste Weg führte uns in ein „meido-cafe“. Man(n) fragt sich, was das wohl sein soll, aber macht man aus dem „meido“ eine engl. „maid“, wird da ganz schnell eine Jungfrau draus und das erste Rätsel ist gelöst. Diese Cafes scheinen in der Ecke recht beliebt zu sein. Unser Cafe bestand aus fünf Tischen in einem Raum, der vielleicht 20 qm hatte. Die servierenden Damen waren gekleidet, als wären sie geradewegs aus einem Wiener Cafehaus gekommen – schön in schwarz und weiß mit viel Spitze und eng anliegend. Das Bier wurde die zwei Meter nicht auf einem Tablett, sondern mit dem Servierwagen gebracht. Auf mich macht (e) diese Lokalität schon einen etwas seltsamen Eindruck. Ich bin kein Freund davon, wenn ich von jemandem fast schon unterwürfig bedient werde und ein bisschen affig fand ich dieses „Lokal“ ebenfalls. Aber was soll’s, wieder was gelernt.

Doch auch dieser Abend sollte noch lange nicht zu Ende sein. Was folgte, wollte mir anfangs so gar nicht in meinen Kopf. Man(n) zieht durch das Viertel, das nur aus Vergnügungshäusern besteht und überlegt, wo man(n) denn nun hinheingehen möchte. Ist man(n) sich seiner Sache nicht so sicher, sucht man die Informationshallen auf. Das kann man sich so vorstellen, wie ein Touristeninformation. An den Wänden sind die verschiedenen Etablissements aufgeführt und die jeweiligen Vorzüge, sprich junge Frauen, in knappen Bikinis dargestellt. Es steht noch allerhand auf Japanisch daneben, aber das hat sich mir entzogen. Meine Kollegen diskutierten derweil heftig, wo man denn nun hingehen könnte. Bei Fragen steht einem das Personal gerne hilfreich zur Seite. Hat man(n) sich denn entschieden, tätigt die Rezeption ein Telefont und Minuten später holt einen ein Bediensteter der ausgewählten Lokals ab.

Und dann geht es da weiter, wo man am Vorabend aufgehört hat. Junge Damen in engen Kleidern versuchen die Männer zum trinken zu animieren und unterhalten sich mehr oder weniger angeregt mit einem. Immer mal wieder kommt von einem der Angestellten ein Fingerzeig und dann werden die Damen ausgewechselt. Nach Ablauf der gekauften Zeitspanne endet das Vergnügen, es sei denn, man zahlt für eine Fortsetzung.

Anfänglich fand ich das alles ja noch recht angenehm. Doch leider hatte ich dieses Mal keine englischsprechende Dame an meiner Seite. Wir gaben uns beide zwar Mühe, aber ein Gespräch wollte irgendwie nicht richtig in Gang kommen. Zudem hatte ich mit zunehmendem Verlauf des Abends immer deutlicher das Gefühl, dass das für sie halt ein Job ist. Und wenn ich was nicht gebrauchen kann, dann ist es Desinteresse in einem Gespräch. Wir haben natürlich gelacht und erzählt, aber es hat einfach das richtige Gefühl für einen gelungenen Abend gefehlt. Nicht, dass der Abend nicht lange gewesen wäre, aber recht schnell verlegte ich mich vom Whisky auf Wasser und verwaltete meine benebelten Sinne und meine Müdigkeit.

Zwei meiner Kollegen gefiel es dagegen ausgesprochen gut und sie taten sich denn auch an dem Abend recht gütlich. Der Vierte im Bunde war ebenfalls schon recht müde und seine Dame hatte es schwer mit ihm.

Aber auch hier möchte ich noch einmal erwähnen, dass wir nicht in einer Stripbar oder einem Bordell gewesen wären. Es wurden Anzüglichkeiten und Andeutungen zuhauf getauscht, mehr aber auch nicht.

 

Den folgenden Tag war ich trotz den wenigen Schlafes erstaunlich fit, was man von den Kollegen nicht gerade behaupten konnte. Der eine hat eigentlich den ganzen Tag geschlafen.

Vormittags wurde zuerst eine Firme besucht, die Samen und Setzlinge produziert. Dies waren vor allem für diejenigen interessant, die negi anbauen, denn den Hauptumsatz macht Nakahara mit negi-Sämereien.

Der Abschluss war dann die Besichtigung einer Firma in Fukuoka, die „mentai monogatari“ herstellt, bzw. aufbereitet, eine besondere und auch besonders beliebte Form von Fischeiern.

Solch eine Firma verlässt man nicht, bevor man nicht deren Produkte probiert hat und so gab es denn zum Mittagessen – sashimi. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Fischeier nicht sonderlich geschmeckt haben. Aber sei’s drum.

Bevor wir schließlich wieder den Zug in Richtung Heimat bestiegen, bestand ausgiebig Gelegenheit, omiyage, d.h. Geschenke für die Daheimgebliebenen zu kaufen. Omiyage bestehen i.d.R. aus einer kulinarischen Köstlichkeit des besuchten Ortes.

Die Rückfahrt verlief wie die Hinfahrt überwiegend im Tunnel, aber dafür schnell und wenn man davon absieht, dass ich erst hinterher erfahren habe, dass die Zugverspätung daher rührte, weil gerade eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe der Gleise entschärft wurde, war sie recht ereignislos.

 

Was bleibt nach drei Tagen Kyushu, umgeben nur von Japanern? Japaner sind kleiner als ich (der größte der Gruppe war einen Kopf kleiner als ich). Sashimi ist lecker, aber fünf Mal in drei Tagen ist zuviel, zumindest für mich. Kyushu ist ein wunderschöner Flecken Erde und ich hätte gerne Zeit, Geld und ein Motorrad, dann würde ich die Insel in Ruhe erkunden. Da gibt es sicherlich sehr viel zu entdecken. Was ich schon ahnte, hat sich bestätigt – nämlich dass Japaner saufen können, dass einem Hören und Sehen vergeht. Egal, ob und wie sie Alkohol vertragen, ein Tag ohne scheint ein verlorener zu sein. Japaner können sehr ausgelassen feiern und wenn man sich darauf einlässt, macht es richtig Spaß. Das Vergnügen, das japanische Männer offensichtlich an jungen Damen haben, kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Überhaupt ist mir, trotz dem die Nächte recht lang waren, diese Vergnügungen, vor allem in Nakasu, etwas fremd geblieben. Man merkt auch, dass Japaner etwas anders ticken, wenn sie nach dem fünften sashimi wie die Wilde Horde über das Angebot der Fischeier herfallen und ausgiebig diskutieren, welche denn nun die leckersten sind und paketweise einkaufen, während Du selbst daneben stehst und froh bist, keinen Fisch mehr essen zu müssen.

Ergo: langer Rede, kurzer Sinn – die Reise war in vielerlei Hinsicht ein voller Erfolg, hat sehr viel Spaß gemacht und ich habe in dieser kurzen Zeit sehr viel über Japaner und ihre Art, sich zu vergnügen gelernt.

Eines sei noch angefügt – als ich am Mittwoch nach Hause kam, stand mir alles Japanische irgendwo da oben und ich vergnügte mich mit einer Tüte Haribo. Mann, war die lecker. Danach hatte ich dann zwar Bauchweh, aber zumindest das Gefühl, wieder etwas eingenordet zu sein.

 

 

Zum Gewinnspiel

Mir scheint, dass es dieses Mal etwas schwieriger ist. Die Lösungsvorschläge haben mir zwar vor Lachen die Tränen ins Gesicht getrieben, aber richtig war noch keiner. Ein Tipp – in Japan läuft der/die/das Gesuchte unter dem Oberbegriff „nomimono“. Und er/sie/es ist in Japan sehr berühmt.

1. August 2006

Heiße Aussichten

Was macht der gemeine japanische Landwirt, wenn er ein neues Stück Land pachtet, das übervoll mit Gras bewachsen ist? Er mäht das Gras und zündet es an. An sich nicht weiter erwähnenswert, denn hier brennt es immer und überall. Erwähnenswert ist allerdings die Tatsache, dass das Feld mit rund 1.500 qm recht groß ist, rund 33 °C im Schatten herrschten und ich dabei war.

Der erste Versuch am Morgen schlug noch fehl, weil der Wind aus der falschen Richtung blies und den nachbarlichen Reis gefährdete. Nachmittags sollte es dann aber besser aussehen und so zündeten wir das Feld an. Einen Teil hatten wir vom Feldrand zum Nachbarn hin weggeräumt und so war eine Mahd mit rund 80 m Länge und 1 m Höhe entstanden. Das Zeug war knochentrocken und brannte innerhalb von Sekunden lichterloh. Mir war schon etwas mulmig zumute, als ich dieses Feuer gesehen habe und hoffte nur inständig, dass es nicht außer Kontrolle geraten würde. Die Rauchwolke war so richtig schön schwarz und stieg wie ein Drachen in den Himmel.

Der Wind war anfänglich auch noch gnädig, aber irgendwann erinnerte er sich seiner Richtung vom Morgen und wir wurden hektisch, denn das Feuer wanderte wieder Richtung Nachbar. Das waren ein paar bange Minuten, die wir verbrachten, bis das Feuer so weit unter Kontrolle war, dass der Reis nur unwesentlich gelitten hatte.

Mittlerweile war natürlich der erste kleine weiße LKW aufgetaucht und wollte mal nachsehen, ob er helfen könne. Das Feuerchen hatte sich schön ausgebreitet und weil es schön aussah, fiel Ushimaru-san nichts besseres ein, als mal für ne gute Viertelstunde weiß der Henker wohin zu fahren. Mir stand buchstäblich der Schweiß auf der Stirn, ich, allein auf weiter Flur, ein Feuer am Gange, das, wenn man ehrlich ist, außerhalb der Legalität brannte, eine Rauchwolke, die man wahrscheinlich in Tokyo gesehen hat und ich mit einer Gabel daneben. Es wollte denn auch gar nicht lange dauern, bis wieder so ein kleiner weißer LKW mit einem älteren Herrn auftauchte. „Wenn der mich jetzt anspricht, wird’s brenzlig“ dachte ich so bei mir und er fuhr auch vorbei, schaute sich die ganze Szenerie aber sehr genau an. Ich wartete derweil, verwaltete das Feuer und beobachtete die vielen flüchtenden Insekten.

 

Letztendlich ging fast alles gut, bis auf dass rund 20 qm Reis leicht die Farbe verändert hatten. Wenn man sich nun vor Augen hält, dass diese 20 qm fast 2 % der Fläche ausmachten und die Wertschätzung des Reis in Japan hinzunimmt, kann man das etwas betretene Gesicht Ushimaru-sans gut verstehen. Aber es half nichts, er musste den Besitzer anrufen und natürlich auch persönlich bei ihm auflaufen. Während der ganzen Fahrt vom Feuer nach Hause machte er sich viele Gedanken, man konnte ihm richtig ansehen, wie unangenehm die Sache war, zumal er den Landwirten nicht kannte.

Mittlerweile kennt er ihn, sie haben die Sache geregelt und ein paar Bier als Entschuldigung wurden wohl angenommen.

 

Überhaupt ist es hier jetzt so richtig heiß geworden. Die Regenzeit ist endgültig vorbei und damit auch die kühlenden Lüftchen. So haben wir jetzt eben täglich Temperaturen zwischen 34 und 37 Grad und es weht wirklich so gut wie kein Wind. Da wird die Arbeit automatisch langsamer und jeder Handschlag will wohlüberlegt sein. Aber was hilft es, die Arbeit will getan werden und so stehen wir doch wieder jeden Morgen auf dem Feld, pflanzen, ernten und gießen negi, bauen neue Gewächshäuser auf, bereiten die Aussaat von Kohl und Salat vor und verwalten die Sinne. Mit das größte Geschenk, wer hätte das vor zwei Monaten noch gedacht, ist negi waschen. Denn das findet im Haus und damit im Schatten statt. Obwohl auch hier Temperaturen von knapp unter dem Siedepunkt herrschen.

Die größte Strafe ist allerdings, im Gewächshaus arbeiten zu müssen. Mir ist jetzt auch endlich klar, warum das Treibhaus heißt, denn da drin treibt es einem den Schweiß aus allen Poren. Ich habe in meinem Leben noch nie so geschwitzt, wie hier. Literweise trinken und vier-, fünfmal am Tag duschen ist völlig normal, wobei weder das Eine noch das Andere für Abkühlung sorgt.

Im Gegensatz zu Deutschland bleibt es hier auch nachts sehr warm. Sommerabende in Deutschland sind ja mit das angenehmste im Sommer. Hier nicht. Temperaturen nachts von 28 Grad und darüber sind völlig normal. Schlafen kann ich hier nur noch mit Klimaanlage. Neulich hatten wir morgens um 8 Uhr schon 30 Grad. Da lacht das Herz.

Aber was hilft alles Klagen, die heißesten Wochen stehen mit Ende August und Anfang September angeblich erst noch bevor. Außerdem – ich habe es gewollt, ich habe es bekommen.

5. August 2006

Das war’s dann also

Ich komme gerade von der Verabschiedung der Chinesen zurück. Heute kehren alle, deren Zeit hier in Kagawa-ken abgelaufen ist, in ihre Heimat zurück. Ein, zwei, sogar drei Jahre am Stück hier gewesen, jeden Tag gearbeitet und keine Aussicht auf einen kurzen Besuch zu Hause, obwohl China ein Nachbarland zu Japan ist.

Man hat allen angemerkt, dass sich in der Zeit doch mehr bildet, als nur ein reines Arbeitsverhältnis. Tagtäglich arbeitet man zusammen, sieht sich, begegnet und erlebt sich. Selbst gestandenen Männer, die sich mit Gefühlsausbrüchen ansonsten eher zurückhalten, standen die Gefühlsregungen im Gesicht.

Selbst für mich, der ich nicht mal vier Monate hier bin, war das ein wirklich bewegender Abschied. Ich habe sie doch alle auf eine besondere Weise lieb gewonnen und werde sie, wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich nie wieder sehen.

Man hat ihnen aber auch angemerkt, dass sie sich auf ihre Heimat freuen. Vor allem Ka-san, der drei Jahre hier war, hat man seine Sehnsucht angemerkt. Er war schon seit Tagen sehr in Gedanken versunken und hat auch in seiner Freizeit nicht mehr viel unternommen. „Mein Herz ist schon in China“

Ich konnte nur dabei sein, weil ich heute meinen freien Tag habe. Die meisten Kollegen haben gearbeitet, nur Ushimaru-san und Ujike-san sind mitgekommen. Natürlich auf Kondo-san, aber der ist als Arbeitgeber und Organisator eh klar. Treffpunkt war bei JA und da auch viele Chinesen dort arbeiten, kamen fast alle ehemaligen Kollegen zusammen und so waren rund 20 Leute da, die winkten und verabschiedeten. Ein schönes Bild.

 

Das war’s dann also – auch für den Kollegen aus Kyushu ist Japan seit dem 3. August vorbei. Nach einem langen Telefonat und einigen Emails kann ich nun allerdings verstehen, dass er gegangen ist. Ich will die Details hier nicht näher aufführen, aber ich an seiner Stelle wäre ebenfalls gegangen. Wollen wir hoffen, dass er der erste und der letzte war, der von uns sechsen seine Zelte vorzeitig abbricht.

9. August 2006

Kaum zu glauben

aber wahr – ich habe doch glatt zwei Tage hintereinander keinen einzigen Stängel negi in der Hand gehabt. Ich will es selbst kaum fassen, das erste Mal seit .. seit ich weiß nicht wie vielen Tagen. Dafür habe ich am ersten Tag sechs Stunden in der prallen Sonne negi gegossen (wär ja auch zu schön, gar nix mit den Dingern zu tun zu haben), aber am zweiten Tag waren es dann nur noch zwei Stunden gießen, der Rest war Komatsuna ernten, Kohl aussäen, Gewächshaus bauen, Reis auf Wasserstand kontrollieren und solche Dinge. Überhaupt sind die Arbeiten im Moment recht abwechslungsreich geworden. Die Hitze, täglich mind. 34 Grad, eher 35 oder 36 Grad, macht es sicherlich nicht immer angenehm, aber auch daran kann man sich gewöhnen.

Dass ich so lange keinen negi angefasst habe, hängt natürlich damit zusammen, dass wir, seit mit dem Weggang der Chinesen fünf Leute fehlen, nur noch wenig negi ernten (dafür mehr Komatsuna), weil der schlicht nicht aufgearbeitet werden kann.

So schade es ist, dass die Chinesen gegangen sind, ich sehe darin für mich auch einen Vorteil, denn ich bin jetzt nicht mehr der Dümmste, kenne so langsam den einen oder anderen Ablauf und bin damit vielseitiger einsetzbar.

 

Überhaupt habe ich neulich ein Ushimaru-Gesicht produziert, das ich so schnell nicht vergessen werde. Waren wir doch gemeinsam im Gewächshaus am Kisten stapeln, die er nach und nach mit dem Stapler herbeiholte. So gegen Ende, ich hatte grad nix zu tun, stellte ich mich neugierig neben den Stapler, schaute mir alles genau an und – meine Rechnung ging auf – ich sollte doch mal selbst neue Kisten holen. Ich rauf auf das Ding, gezündet und losgefahren. Herrlich, wie sparsam Ushi gucken kann, denn dass das auf Anhieb so klappt, damit hat er offensichtlich nicht gerechnet. Hinterher habe ich ihm allerdings gestanden, dass ich, auch wenn es schon zehn Jahre her ist, ein halbes Jahr lang fast jeden Tag auf so einem Ding gesessen bin.

Im Moment ist irgendwie ein Lauf in den Dingen und Arbeiten. Es macht Spaß, die Leute sind gut drauf, unter der Hitze leiden alle gemeinsam, die Arbeiten halten sich im Rahmen und hin und wieder klappt es auch mit dem Reden. Ergo – alles mehr oder weniger in Butter.

 

Ein Meister, der übt?

So sollte man doch an eine Sache rangehen, oder etwa nicht? Jedenfalls erging es mir neulich im Kyudo wenig meisterlich.

Ich stand da also mutterseelenallein an der shai und war am schießen. Die Gedanken waren wohl wo anders, denn urplötzlich löste sich der Schuss viel zu früh, der Pfeil ging irgendwo rechts raus, die Sehne bemühte sich, mein Ohr abzureißen und mir blieben nur zwei Gedanken – „Aua“ und „jetzt nur nicht einfach umfallen. Wenn schon zu Boden sinken, dann wenigstens mit Stil“ und sank danieder. Alter Schwede, tat mir mein Ohr weh. In dreieinhalb Jahren Kyudo ist mir das noch nie passiert und ich habe es nur einmal bei einem Kollegen in Göttingen erlebt. Der fiel aber um wie vom Schlag getroffen, warf den Bogen weg und brüllte nur noch. Daher mein Gedanke, wenn schon runter, dann wenigstens mit Stil. Zu meinem Glück verstand da keiner Deutsch, denn was mir spontan über die Lippen kam, kann man wohl kaum als jugendfrei bezeichnen. Das weitere Schießen war zunächst etwas unsicher, beruhigte sich aber wieder.

Doch der Abend sollte noch mehr bringen. Ich hatte meine Kamera dabei und wollte einfach mal ein paar Bilder vom Dojo schießen. Zunächst war nur unsicheres Gekicher zu hören, aber dann ließen sie sich doch fotografieren. Fotos von mir konnte ich zu Beginn noch abwehren. Doch irgendwann nahm einer die Kamera und forderte mich auf, zu schießen, während er fotografieren würde. Da stand ich also, wieder mal allein an der shai, vor mir vier Leute, alle wesentlich höher graduiert, auf dem Boden sitzend, die mich aufmerksam beobachteten. Ging mir die Düse, aber zu meiner Rettung muss ich sagen, dass die beiden Schüsse meine besten vom ganzen Abend waren und somit die Fotos nicht allzu schlecht ausfielen. Glück gehabt.

10. August 2006

Meine Mädels und ich

Was einem passieren kann, wenn man kaum ein Wort versteht, ist schon absolut faszinierend. Ich komme soeben aus meiner geliebten Karaokebar bei Koyama-sensei und muss mein Erlebtes sofort aufschreiben.

Auch wenn (oder doch obwohl?) ich nur wenig verstehe, verstehe ich mich mit den Frauen aber auch Koyama-sensei wirklich gut. Mit ihm habe ich heute Abend über italienische, deutsche, japanische und  amerikanische Tonsilben diskutiert. Mir war gar nicht bewusst, dass die einzelnen Töne so unterschiedlich benannt sind. Im Japanischen heißen C-D-E-F-G-A-H-C eben  ハ・ニ・ホ・ヘ・ト・イ・ロ・ハ (ha-ni-ho-he-to-i-lo-ha). Bis wir das allerdings raus hatten, haben wir ganze Blätterwälder bemalt und beschriftet.

Dann fühlen sich die Damen dort doch recht wohl, denn wer will, bringt seine eigene Musik mit und trällert dazu.

So dann kommt im September ein junger, hübscher ;-) Mann, offensichtlich ein Karaokestar in Koyama-senseis Bar. Eine Gelegenheit, die sich keines meiner Mädels entgehen lässt, sofort eine Karte kauft und natürlich die dazugehörende CD/Kassette, um zuhause kräftig zu üben. In der Kassette ist nämlich neben dem Text auch die Melodie aufgeführt. Wie es sich für eine richtige Karaokekassette eben gehört. Die Kassette läuft im Moment bei mir in Hintergrund, denn ich muss selbstverständlich wissen, wovon geredet wird. Nur leider habe ich an dem besagten Sonntag im September keine Zeit. Schade.

Aber damit war der Abend noch längst nicht rum. Ich durfte natürlich, dieses Mal im Duett mit Ujike-san (nicht meinem Kollegen, sondern der Freundin von obaasan) meinen allseits beliebten Schlager 上を向いて歩こう aufführen. Wär ja auch nicht weiter schlimm gewesen, wenn da nicht auf einmal so ein Stapel Blätter auf dem Tisch lag, in den ich meinen Namen eintragen sollte, warum auch immer. Erst später wurde mir so langsam klar, dass meine Damen mich zu einem „popular song festival“ mit – hurra, Ihr habt’s erraten – 上を向いて歩こうangemeldet haben. Was immer das sein mag, es findet jedenfalls am 7. Oktober irgendwo in Marugame statt und ich werde da auftreten und meine Version zum besten geben dürfen. Frag mich, was die da mit mir vorhaben, wo das ist und wer da dabei sein wird. Ich weiß nur heute schon, dass das ne lustige Veranstaltung werden wird (hoffentlich).

Also so alles in allem ist das schon ein lustiger Haufen, der außer Koyama-sensei und mir bislang nur aus Frauen besteht und die sich über mich / wegen mir häufiger mal beinah wegschmeißen vor Lachen, aber das ist ok.

Und weil der Abend so schön war, hat mir Koyama-sensei noch yaki-udon (gebratene Udonnudeln mit Gemüse) spendiert. Japanische Gastfreundschaft.....

 

Geschichtswissen?

Beim ersten Mal ist man überrascht, denkt sich aber kaum was dabei. Beim zweiten Mal ist es komisch und spätestens beim dritten Mal nervt es. Was? Wenn man als Deutscher auf die deutsche Vergangenheit, speziell das „Dritte Reich“ angesprochen wird. Vor allem die ersten beiden Male waren recht unschön. Doch der Reihe nach.

Wer sich vielleicht erinnern kann – ich saß irgendwann mal mit Chef und seinem Kumpel in der Kneipe und wir waren lustig und wir waren laut. Irgendwann springt der Kumpel auf einmal auf, hebt seine rechte Hand gestreckt in den Himmel und brüllt „Heil Hitler“. Mir war erst gar nicht klar, was er sagte und weil so schön war, brüllte er gleich noch mal. Daraufhin wurde ihm aber ganz schnell sowohl von mir als auch von meinem Chef klar gemacht, dass das heutzutage in Deutschland nicht wirklich gut ankommt. Es war ihm schlicht nicht bewusst, was er da machte. Er kam schnell wieder an den Tisch und nun gut, vergessen.

Die zweite Begegnung dieser Art hatte ich, als ich mit meiner Truppe Chinesen in Tokyo war. Die Chinesen und ich warteten vor dem Aufzug und unterhielten uns. Der eine schnappte sich auf einmal meine Mütze, setzte sie verkehrt rum auf und brüllte ebenfalls den Hitlergruß. Der konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich ihm eine vor den Latz knallte, dass es nur so schallte. Wir waren ob meiner Reaktion beide erschrocken und auch er war sich nicht bewusst, dass man das in Deutschland nicht mehr macht, im Gegenteil. Er hat sich nach meiner Erklärung daraufhin entschuldigt und es war dann auch ok, aber befremdet hat es mich doch. Wobei mir die Chinesen auf dem Hof auch schon berichtet hatten, dass über die dt. Geschichte in den chin. Schulen nur wenig gelehrt wird und dann eher so, als ob Deutschland heute noch faschistisch wäre.

Die dritte Begegnung verlief etwas „erfreulicher“ und doch hinterließ sie einen faden Beigeschmack. Ich war auf dem Kompirasan, einem sehr hoch gelegenen Tempel in der Nähe. Früh morgens los, solange noch keiner da ist und die schöne Aussicht genießen. Auf dem Rückweg kam mir ein älterer Herr entgegen, fragte auf englisch, woher ich denn käme, zückte seine überraschend, wenn auch wenig vorhandenen Deutschkenntnisse und erzählte, dass er vor gut 20 Jahren eine zeitlang in Barsinghausen bei Hannover Sport studiert hat. War soweit auch ganz lustig, bis er dann so meinte, naja, Hitler war zwar nicht so dolle, aber den Generalfeldmarschall Rommel, also den fände er gut. Man kann sich über die Rolle Rommels im Dritten Reich sicherlich streiten, aber dass er ein Scherge Hitlers war, ist unbestritten.

Was bleibt? Ich komme immer mehr zu dem Verdacht, dass sowohl die Menschen hier in Japan, als auch die Chinesen eher wenig von der deutschen / europäischen Geschichte wissen und das wenige zum Teil falsch oder nur teilweise richtig ist. In China kann ich es vielleicht noch eher verstehen, da hinter allem ein starkes, dem Westen eher abgeneigtes politisches System steht. Aber dass auch einige Japaner so wenig wissen, dass in Deutschland seit über sechzig Jahren Hitler gar nicht mehr gern gesehen ist, wundert mich dann schon.

Aber was die japanische Geschichtsaufarbeitung angeht, so wird hier etwas anders mit der Vergangenheit, zumindest was die Zeit des „Pazifischen Krieges“ (WW II) angeht, umgegangen, als in Deutschland. Bereits 1937 hat sich Japan aggressiv im südpazifischen Raum breit gemacht und ist dabei wenig zimperlich mit seinen Gegnern umgegangen. Die jap. Armee war, so weit ich es weiß, berüchtigt für ihre gnadenlose Brutalität, mit der sie in den besetzten Gebieten vorgegangen ist. Erst durch den massiven Einsatz amerikanischer Soldaten wurden die Japaner schließlich unter großen Verlusten auf beiden Seiten nach und nach zurückgedrängt. Der „Höhepunkt“ waren sicherlich die beiden Atombomben. Dieses Ereignis hat allerdings dazu geführt, dass sich Japan in eine Opferrolle zurückziehen konnte und die eigenen Taten nicht wirklich aufarbeiten musste /wollte. (so ein Kommentar auf tagesschau.de, den ich passend finde und daher sinngemäß zitiere). So kommt es auch, dass der jap. Ministerpräsident Koizumi alljährlich den berühmten Yasukunijinja besucht, einem Schrein in Tokyo, in dem die gefallenen Soldaten geehrt werden. An und für sich nichts ungewöhnliches, haben wir in Deutschland ebenfalls massenweise, aber im Yasukunijinja werden u.a. nachweislich Soldaten geehrt, die menschenverachtende Gräueltaten, vor allem in China („Massaker von Nanking“)  begingen. Daher wird der Besuch Koizumis alljährlich zu einem Medienspektakel, das man weltweit verfolgen kann und das regelmäßig heftige Proteste aus China nach sich zieht.

Während sich Deutschland auch sechzig Jahre nach dem Dritten Reich noch selbstgeißelnd und Asche bestäubt durch die Lande bewegt, sind die eigenen Verbrechen in Japan allenfalls ein Randthema.

Zumindest, und das sollte ich hinzufügen, nach dem zu urteilen, was ich weiß.

 

Auflösung Gewinnspiel Teil 2

Dieses Mal war es zumindest so „schwer“, dass die Lösung nicht bereits nach 24 h im Briefkasten war. Das für Japan so typische war natürlich eine Tasse Grüner Tee. Hier ist noch mal das gleiche Bild, nur etwas schärfer. Die Karte geht an – bitte einen Tusch – Marcus in Göttingen.

Für Teil 3 ist mir bislang noch nichts rechtes eingefallen, aber bei der Hitze und den Urlaubsvorbereitungen und dem, was sonst noch so ansteht, auch kein Wunder.

 

Zum Stichwort Urlaub fällt mir ein:

Jammern auf hohem Niveau

Je länger ich hier in Japan bin und je mehr ich die hiesigen Verhältnisse erkenne, desto häufiger merke ich, dass wir es in Deutschland teilweise richtig gut haben und trotzdem wird wegen allem geklagt und gejammert.

Dass die japanischen Angestellten wenig Urlaub nehmen, ist ein weit verbreitetes Klischee und zumindest für meinen Betrieb stimmt es. Jetzt in der Sommerzeit, zumal über das obon-Fest hinweg, ist traditionell Urlaubszeit. Keiner ! meiner Kollegen hat mehr als drei Tage Sommerurlaub beantragt, außer Ushimaru-san, der vier Tage genommen hat. Auch in den Monaten, in denen ich hier bin, war keiner länger als zwei Tage am Stück weg.

Da falle ich mit meinen fünf Urlaubstagen richtig auf.

Neulich alberten wir ein bisschen herum und ich versprach Ujike-san großspurig fünf Urlaubstage. Sein Kommentar: „fünf Urlaubstage würde ich mir wünschen....“

Und dann wird in Deutschland gejammert, wenn man nur 25 Tage Urlaub im Jahr, von Freitag Nachmittag bis Montag Morgen Wochenende und eine 40-Stundenwoche bei einem Gehalt hat, das zum Leben mehr als ausreichend ist.

Ich gönne jedem, dass er diese Vorzüge genießen kann, aber wenn ihr euch das nächste Mal über die Arbeitsbelastung beschwert, dann denkt dran, dass hier sechs Tage in der Woche gearbeitet werden, mindestens eine 50-Stundenwoche vorliegt und man die Urlaubstage an einer oder höchstens zwei Händen abzählen kann. Hinzu kommt, dass es zumindest auf meinem Betrieb keine Feiertage gibt, an denen außerplanmäßig frei ist. Es wird jeden Tag gearbeitet und jeder Angestellte hat einen Tag in der Woche frei. Dabei ist das Gehalt, soweit ich es einschätzen kann, nicht höher als in Deutschland. Dagegen sind die Lebenshaltungskosten hier wesentlich höher.

11. August 2006

Ganz der Profi

So ist das also, wenn man ins Profilager wechselt. Vorbei die Zeiten, als man tun und lassen konnte, was man wollte, jetzt heißt es regelmäßig üben, die Stimme schonen und Texte lernen.

Neulich kam ich abends ganz entspannt von meinem freien Tag zurück, den ich mit Stefan zusammen verbracht hatte. Wir sind den Sanuki-Fuji-san hochgeklettert, haben mal wieder den Hinweis bekommen, dass man viel mehr von der Welt entdecken kann, wenn man sich eine Freundin mit Auto anlacht, sind das Marugame Schloß hochgestiegen und letztendlich bei Stefan zu hause gelandet. Soweit ja ganz nett. Ich also wieder gen Heimat dem herrlichen Sonnenuntergang entgegen und auf dem Hof angekommen, begegnet mir als erste obaasan. „Na, wie sieht’s aus? Heute Abend, halb acht üben wir gemeinsam?“ Ich hatte mich auf einen ruhigen Samstag Abend gefreut, zeitig ins Bett zu kommen und den verlorenen Schlaf aufzuholen, aber denkste.

Es waren gerade mal 30 Minuten, die mir blieben, um zu duschen, einzukaufen und den Text noch mal anzuschauen. Und dann ging’s ab. Dieses Mal aber nicht zu Koyama-san, sondern zu Mama-san. Also wenn man Koyama-san als originell bezeichnen möchte, dann ist Mama-san einfach skurril. Ein vielleicht 30 qm großer Raum, darin mehrere Monitore für den Text, ein paar Sofas und die Bühne für den Artisten. Fertig. Und jeder der rund 10 Anwesenden hat ein Getränk zu sich genommen, das passend zur Karaokebar ebenfalls als skurril bezeichnet werden kann. Man nehme ein Eisbecherglas, fülle es mit Waldmeistersirup und einer Menge Eiswürfeln, obenauf eine Kugel Vanilleeis und stelle das Glas auf ein Tablett. Neben das Glas stelle man eine kleine Schale mit einem hartgekochten Ei und serviere das Ganze.

Obaasans Freundin, Reiko-san, war ganz in ihrem Element und freute sich wie ein kleines Kind, mit mir zu reden. „Also das Lied kennst Du bestimmt, das ist auf der ganzen Welt berühmt“, hielt mir darauf hin ihr handy ans Ohr, während auf der Bühne ein älterer Herr seine Stimmbänder in den höchsten Tönen malträtierte. Ich konnte nur freundlich nicken und „also vielleicht kenne ich es, aber vielleicht auch eher doch nicht“ sagen. Hielt Reiko-san natürlich nicht davon ab, sofort das Lied zu bestellen und vorzusingen. So ging das mind. 3 mal und ich kannte keines der Lieder „die sind alle auf der ganzen Welt berühmt“. Ich habe mich ehrlich gefragt, wie groß ihre Welt wohl ist, denn ich gehe fast jede Wette ein, dass keiner meiner geneigten Leser je eines dieser Lieder gehört hat. Zumal es jap. Schlager sind. Reiko-san war zudem so in ihrem Element, dass sie trotz mehrmaliger Bitte meinerseits und von obaasan kaum einen Deut langsamer redete. Irgendwann wurde mir das zu bunt und ich sagte ihr in schönstem, fließenden Englisch (sie versteht mind. 3 Wörter Englisch), dass ich mich sehr freue, mich mir ihr zu unterhalten, sie aber bitte doch etwas langsamer reden sollte. Da ging ein verschämtes Lächeln über ihr Gesicht, denn verstanden hatte sie mich natürlich nicht, aber es ist schon doof, wenn der Gegenüber so schnell redet.....

Alldieweil, lustig war der Abend in jedem Fall. Ich habe drei Mal!! meine Version von上を向いて歩こう zum besten gegeben. Am Schluss haben wir es sogar zu dritt gesungen.

Und ich bin jetzt stolzer, wenn auch nur vorübergehender Besitzer eines dieser Karaokebücher mit dem Umfang des Tokyoter Telefonverzeichnisses. Bis zum nächsten Mal kann ich mir in Ruhe weitere Lieder raussuchen, die ich singen „möchte“. Und ich habe jetzt auch so ein Heftchen, in das ich meine Lieder mit den Nummern eintragen kann. Ganz der Profi eben.

   
   
   
   
   
   
   
  der folgende Beitrag wird ein längerer und daher geht es ab jetzt im Teil 6 weiter